EHA 1 - DER SPIEGEL
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AUTOFAHRER EHA 1

In England erkennt man die feineren Herrschaften schon an der Autonummer; wer auf sich hält, fährt seine Initialen im Kennzeichen.
• aus DER SPIEGEL 35/1972
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Das war Russell Marks' lukrativste Nummer: Für ein lapidares »G 2« kassierte der Chef der Firma Car Marks im englischen Nordseehafen Hull 38 000 Mark -- den Maserati, auf dem das 0-2-Schild prangte, ließ er sich extra bezahlen.

Der Preis, den Russel Marks erzielte, ist der höchste, der je für die in England grassierende Nummernschild- Marotte ausgegeben wurde; freilich haben es sich die Briten schon von jeher was kosten lassen, mit einer signifikanten oder nur witzigen Buchstabenkombination plus kleiner oder runder Zahl ihr Vehikel zu schmücken.

Als 1903 die Registrierung eingeführt wurde, stand der blaublütige Earl Russel die ganze Nacht lang Schlange, um die Nummer A 1 zu ergattern; sie wurde vor einiger Zeit vom derzeitigen Besitzer für 25 000 Mark verkauft.

Da in England, anders als in der Bundesrepublik, die Buchstabenkombinationen auf den polizeilichen Kennzeichen nicht vom Zulassungsort abhängen, konnten sich hier die Schild-Bürger-Süchte besonders exaltiert entwickeln.

Obwohl Nummernschilder nach englischem Recht nur zusammen mit dem Wagen verkauft werden dürfen, nehmen viele Briten auch eine unbrauchbare Karre in Kauf, um an das Status-Symbol einer passenden Buchstaben-Zahlen-Kombination zu kommen.

So verfügt der schnauzbärtige Abgeordnete Gerald Nabarro über NAB 1 bis NAB 7. Der Modeschöpfer Edwin Hardy Amies führt an seinem Jensen EHA 1. Ehrwürden Laurence Ambrose Brown, anglikanischer Bischof von Birmingham, braust mit SOB (= Stuhl von Birmingham, im Jargon freilich auch: »Son of a bitch« = Schweinehund) 1 umher, der Londoner Stripklub-Besitzer Paul Raymond mit FU (Fuck you) 2.

An diplomatische Vertretungen verleiht das Foreign Office besonders kennzeichnende Kennzeichen wie Orden: GER 1 an den Botschafter von Germany, Karl-Günther von Hase; Wilfried Platzer, sein österreichischer Kollege kutschiert mit OES 1 umher, der australische Hochkommissar mit AUS 1. Mit aparten Titelabbreviaturen prunken auch die Karossen des königlichen Hauses.

Längst ist aus dem Hobby ein Geschäft geworden: In der »Sunday Times« füllt der Kleinanzeigen-Markt mit Schilder-Angeboten und -Gesuchen allwöchentlich bis zu einer Seite.

Ein JJR 88 wird, samt schrottreifem Austin, für knapp 80 Mark offeriert; ein WIN 1 kostet fast 8000 Mark. und besonders teuer kommen Kennzeichen mit Partner-Look: FAB 1 und 1 FAB sollen 34 000 Mark bringen.

Inzwischen betreiben etwa 60 Firmen in England den Nummernschild-Handel; der »Autonumerology-Boom« ("The Sunday Telegraph") ließ die Preise horrend steigen. Russel Marks (RUS 5), der ständig 150 Schilder auf Lager und schon im vorigen Jahr mehrere tausend verkauft hat: »Nummern, die ich vor 18 Monaten für 800 Mark verkauft habe, nehme ich jetzt mit Kußhand für 1200 zurück -- ich kann sie für 1700 weiterverkaufen.«

Allerdings, als Massenhobby werden die Initial-Riten vielleicht bald ein Ende haben. Bisher konnten erworbene Kennzeichen gegen eine geringe Gebühr von rund 40 Mark auf das eigene Fahrzeug übertragen werden. Doch der aufschießende Handel mit den Prestige-Blechen hat die Registrierämter mit Änderungsanträgen derart überschwemmt, daß ihr Personal nicht mehr mitkommt.

Whitehall, so geht das Gerücht, plant jetzt eine Gebührenvervielfachung-Marks: »Ich fürchte, bald wird das nur noch ein Hobby für die Reichen sein.« * Mit Bonns Botschafter von Hase.

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