FESTSPIELE »Ein biblischer König - nicht nur für Japaner«
SPIEGEL: Herr Stückl, Sie haben im Jahr 2000 bei den Oberammergauer Festspielen die Passionsspiele inszeniert. Nun wollen Sie die Zeit bis zum nächsten Festival 2010 mit einem Stück über den biblischen David überbrücken. Braucht der Ort wieder mehr Touristen?
Stückl: Darum geht es mir überhaupt nicht. Ich will mit dieser Königsgeschichte aus dem Alten Testament nicht hauptsächlich Japaner, Amerikaner und andere Touristen ansprechen, sondern die heimischen Besucher, die immer weniger über Geschichten aus der Bibel wissen. Man hat schon früher zur Halbzeit zwischen den Passionsspielen, die traditionell nur alle zehn Jahre stattfinden, Stücke über große Figuren Israels gebracht, zuletzt 1905 ein Werk über David. Zum hundertsten Jubiläum dieses Ereignisses scheint uns eine Wiederholung eine gute Idee.
SPIEGEL: Was macht David, der als Herrscher Jerusalem zur Hauptstadt Israels machte, heute so interessant?
Stückl: Er war erst der zweite König in Israel und träumte schon von einer Art Gottesstaat. Jerusalem war nicht nur die politische Hauptstadt, David machte sie auch zum Zentrum der Gottesverehrung. Diese Vermischung von Politik und Religion ist doch ungeheuer aktuell.
SPIEGEL: Spielen Sie die alte Fassung?
Stückl: Das weiß ich noch nicht. Es gibt ein paar Versionen, etwa die unvollendete David-Trilogie des Österreichers Richard Beer-Hofmann. Am Ende werden der Dramaturg und ich wohl eine eigene Bühnenfassung zusammenbasteln. Die Biografie Davids steckt so voller praller Geschichten, dass ich mir nicht vorstellen mag, auf welche ich verzichten könnte.