Ein Mahnmal - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 86 / 120

ZEITGESCHICHTE Ein Mahnmal

• aus DER SPIEGEL 14/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Je abstrakter die zeitgeschichtliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Deutschland wird, umso wichtiger ist es, daran zu erinnern, dass in dem Lager am Rande der polnischen Stadt Oswiecim tatsächlich über eine Million Menschen vom Leben zum Tode befördert wurden. Es waren Juden aus ganz Europa, aber auch Sinti und Roma und andere »lebensunwerte« Objekte des NS-Vernichtungswahns. Sie alle hatten Namen, Gesichter und noch ein Leben vor sich.

In einem Münchner Verlag erscheint nun eine Dokumentation, die den Opfern ein Denkmal setzt, das jedes Holocaust-Mahnmal in den Schatten stellt: ein großformatiger Bildband mit über 2400 Fotos auf 492 Seiten, ergänzt durch einen Textband mit 136 Seiten. Die Fotos wurden nach der Befreiung auf dem Gelände des Lagers gefunden und ruhten bis jetzt im Archiv der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die meisten stammen aus dem Besitz von Juden, die aus den Orten Bedzin und Sosnowiec im Süden Polens nach Auschwitz deportiert wurden. Es sind Bilder aus dem Alltag, banal und erschütternd zugleich, Schnappschüsse von Familien- und Schulfesten, Feiern, Reisen, wie man sie in jedem Album findet, Eltern mit Kindern, Liebespaare in der Natur, Urlauber am Strand. Einige hundert der Abgebildeten konnten in jahrelanger Recherche identifiziert werden. Die meisten jedoch bleiben »unbekannte Personen«.

»Vor der Auslöschung. Fotografien - gefunden inAuschwitz-Birkenau«. Kehayoff Verlag, München; Subskriptionspreis198 Mark.

Zur Ausgabe
Artikel 86 / 120