Ein Schmuckstück für Nofretete - DER SPIEGEL
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MUSEEN Ein Schmuckstück für Nofretete

• aus DER SPIEGEL 42/2009
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Wenigstens einen erfreulichen Auftritt hat Angela Merkel in dieser Woche vor sich: Nur einen Steinwurf von ihrer Wohnung entfernt soll die Kanzlerin am Freitag auf der Berliner Museumsinsel ein architektonisches Schmuckstück der Öffentlichkeit übergeben: das Neue Museum. Der auf Initiative König Friedrich Wilhelms IV. von Friedrich August Stüler entworfene Bau wurde 1855 eingeweiht und im Zweiten Weltkrieg von Bomben zerstört. Vor zwölf Jahren bekam David Chipperfield den Auftrag, den Torso wieder in die Heimstatt für die frühgeschichtliche und die ägyptische Sammlung zu verwandeln. Der britische Architekt setzte zusammen mit dem Denkmalexperten Julian Harrap ein radikales Konzept um: Was zerstört war, wurde nicht rekonstruiert. Die Wunden der Geschichte ließ Chipperfield nicht zuschmieren und übermalen, sondern konservieren. In der zentralen Treppenhalle wurden die rohen Ziegelwände geflickt, aber nicht verputzt. Die langgezogenen Treppen ließ Chipperfield nach Stülers Entwurf wiederherstellen und verwendete dabei einen speziellen Beton aus Marmorsplittern und weißem Zement. Es entstand ein grandios archaischer Raum. Überwältigend die Vielfalt des Baus: Im obersten Geschoss finden sich flach gewölbte Tontopfdecken und Säulen aus Gusseisen. Im »Vaterländischen Saal« sind Wandmalereien mit Szenen aus der nordischen Edda-Sage erhalten. Zwar ist Chipperfields asketische Rekonstruktion nach wie vor umstritten. Die »Gesellschaft Historisches Berlin« etwa klagt, das neue Haus der berühmten Büste Nofretetes sei ein »Desaster«. In Wahrheit aber hat Chipperfield ein aufregendes Baukunstwerk geschaffen. Noch dazu konnte der Architekt einen für große öffentliche Bauvorhaben ungewöhnlichen Erfolg verbuchen: Dank geschickten Managements kostete das Projekt statt der geplanten 233 Millionen weniger als 200 Millionen Euro.

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