Ein Wort zu viel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 153

Am Rande Ein Wort zu viel

• aus DER SPIEGEL 44/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das hat sie nun davon, die raffinierte Herrscherin Ägyptens. In venushafter Eleganz, mit Prunk, Parfüm und Petting hatte Kleopatra den General Antonius umgarnt, bis er ihr verfiel. Und was finden jetzt die Papyrusforscher ausgerechnet im kalten Berlin? Hintergangen haben soll sie ihren Helden, indem sie einen kleinen, aber höchst undamenhaften Deal mit seinem Heerführer einfädelte. Dem versprach sie geldwerten Vorteil für eine Gefälligkeit - »so sei es«, steht auf dem antiken, in Griechisch bekritzelten Zettel, der jetzt der Lady mit der legendär schönen Nase zugeschrieben wird. Keine andere handschriftliche Quelle ist von ihr erhalten: Ausgerechnet die verräterische Äußerung überstand, Gerechtigkeit der Götter, die Zeiten. Denn seinerzeit nahm Kleopatra die kleine Affäre mit in den Tod. Spektakulär entleibten sich sowohl die Herrscherin wie ihr Gschpusi Antonius - und boten so der Weltliteratur viel Stoff zu schönem Schauder. Aber was ist jenes Suizid-Drama gegen die Entlarvung jetzt? Nun steht die große Ägypterin ertappt in einer Reihe mit mickrigen Partei-Geistern der Gegenwart, die kungeln, schmieren, schwarze Kassen hüten: ein einziger Aktenfetzen aus Mumienmoder, und aus ist es mit Kleopatras Zauber. Auch sie nur, ach, ein Fall für den Untersuchungsausschuss. Den Herrschern von heute wird es eine Lehre sein, sich nicht erwischen zu lassen.

Zur Ausgabe
Artikel 59 / 153