Gestorben Elmar Wepper, 79
Er hat im Laufe seines Schauspielerlebens eine Menge süßliches Zeug fabriziert, das man in Bayern und Österreich liebevoll als »Schmarrn« bezeichnet – aber in seinen besten Rollen zeichnete Elmar Wepper die Zartheit und Weisheit eines Philosophen aus. Er wuchs in München auf und drehte in den späten Fünfzigerjahren seine ersten Filme. Damit folgte er seinem älteren Bruder Fritz, der schon ein gefragter Darsteller war. Elmar Wepper spielte Ermittler in TV-Serien wie »Der Kommissar« und war in vielen Fernsehrollen fürs warmherzig Menschelnde zuständig, mit Gemütsruhe und bayerischem Zungenschlag verkörperte er durchschnittliche Heldenfiguren in Erfolgsserien der Achtzigerjahre – grundsolide und maßvoll clevere Kerle, denen alles Hallodrihafte und Schurkische fremd war. Im amüsanten Widerspruch zu seinem Ruf, der dauernette, weniger schillernde Bruder zu sein, trat Elmar Wepper dann mit Fritz in der TV-Reihe »Zwei Brüder« auf, die von 1994 an 17 Folgen lang lief. Hier übernahm Fritz den Spießer, einen strengen Oberstaatsanwalt, Elmar war als fröhlich aufmüpfiger Kriminalermittler eher das schwarze Schaf im Familienverbund. Auf große Kinoauftritte musste er lange warten, einen hatte er 2008 in Doris Dörries Film »Kirschblüten – Hanami«. Darin spielt er einen frisch Verwitweten, der nach Japan reist, weil seine Gattin (Hannelore Elsner) ein Faible für das Land hatte. Er verliebt sich ein bisschen in eine Japanerin und trägt öffentlich ein Frauenkleid, weshalb sein Sohn stöhnt: »Der macht mich völlig wahnsinnig!« Seine schönste Altersrolle war vielleicht 2011 die eines mies gelaunten Taxifahrers im Film »Dreiviertelmond«. Der Held muss sich vorübergehend um ein sechsjähriges türkisches Mädchen kümmern und beweist – natürlich – überraschend Herz. Beim SPIEGEL-Interview 2008 zeigte sich Wepper zufrieden mit seinem Leben, er trauere den verpassten Chancen nicht hinterher, sagte er. »Die Raffhaltung, alles mitzunehmen, was sich anbietet, ist mir fremd.« Vielleicht ist es nicht falsch sich vorzustellen, dass Wepper in seinen letzten Momenten in aller Seelenruhe in sich hinein gelächelt hat. Es würde jedenfalls gut zu diesem Gemütsschauspieler passen. Elmar Wepper starb am 31. Oktober in München.