LITERATUR Erinnerung aus der Umzugskiste
Mit Sohn Paul, ein paar Möbeln und 97 Umzugskisten ist Klara von Deutschland zu ihrem Mann George nach New York gezogen. Beim Auspacken stößt die Reisejournalistin auf ein 20 Jahre altes Foto, das sie mit ihrer ersten großen Liebe zeigt, dem Kameramann Johannes. Während sie den Mann betrachtet, der Pauls Vater ist, überkommt Klara eine Ahnung, »die sie während all der Jahre sorgfältig unterdrückt hatte: Möglicherweise hatte sie gleich am Anfang ihres Erwachsenenlebens die falsche Wahl getroffen«. Die 39-Jährige wird überwältigt von dem Gefühl, ihr Leben vergeudet zu haben. Immer wieder verliert sie sich in mal melancholischen, mal tragikomischen Erinnerungen. Noch einmal durchlebt sie die gemeinsamen Tage mit Johannes in Peru, wohin es ihn zu Dreharbeiten verschlagen hatte. Oder sie lässt ihren ersten Aufenthalt in New York Revue passieren, wo es sie immer wieder in den Zoo im Central Park zog - zum Gehege des Eisbären Skandy, dem sie zum Erstaunen der anderen Besucher ihr Leid klagte. Allmählich kann Klara das Leben wieder von der optimistischen Seite betrachten. Mit ihrem Roman »Klara und die Liebe zum Zoo« ist Pia Frankenberg, 44 - sie hat sich als Regisseurin und Produzentin von Spielfilmen und Dokumentationen einen Namen gemacht -, die eindringliche und humorvolle Lebensbilanz einer Frau in den kritischen Jahren gelungen.
Pia Frankenberg: »Klara und die Liebe zum Zoo«. Verlag AntjeKunstmann, München; 208 Seiten; 37 Mark.