Ewiger Nomade - DER SPIEGEL
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FOTOGRAFIE Ewiger Nomade

• aus DER SPIEGEL 33/1999
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Er war »flüchtig wie ein Elfenwesen«, notierte der Schriftsteller Gregor von Rezzori über den engen Freund, »sein Blick ging immer über die Schulter seines Gegenübers weg, er schien niemals ganz gegenwärtig zu sein und dabei leicht und neckend wie Peter Pan«. Der so charakterisierte Romancier, Essayist und Reiseliterat hieß Bruce Chatwin; der Brite, Schöpfer von Welterfolgen wie »In Patagonien« oder »Traumpfade« starb 1989 mit gerade mal 48 Jahren an Aids. Dass Chatwin nicht nur geschrieben, sondern auch unermüdlich fotografiert hatte während seiner zahllosen Reisen auf allen fünf Kontinenten, war lange selbst vielen seiner Weggefährten unbekannt. »Ich wusste nicht einmal, ob ein Fotoapparat zu seinem bescheidenen Gepäck gehörte«, schreibt sein italienischer Verleger Roberto Calasso. Mit Hilfe von Chatwins Witwe Elizabeth hat er den Foto-Nachlass geordnet; eine Auswahl der Bilder, im vergangenen Jahr in Turin ausgestellt, ist jetzt in einem faszinierenden Fotoband zu bewundern (Bruce Chatwin: »Verschlungene Pfade«. Carl Hanser Verlag, München; 196 Seiten; 45 Mark). Der strenggrafische Blick des ewigen Nomaden Chatwin (etwa auf Fotos der Moschee im iranischen Isfahan oder einer Windmühle in England) wird dabei ebenso deutlich wie das Vertrauen, das die Porträtierten dem Fotografen entgegenbrachten - zum Beispiel eine deutsche Mathematikerin, die von einer Leiter aus in die Wüste von Peru blickt. Vor allem belegen sie jedoch, was für Chatwin die »Frage aller Fragen« war: »die Natur der menschlichen Ruhelosigkeit«.

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