Exil der Punkte - DER SPIEGEL
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AUSSTELLUNGEN Exil der Punkte

• aus DER SPIEGEL 7/2002
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Ihre Welt ist eine voller Obsessionen: Dafür hat der Kunstbetrieb die Japanerin Yayoi Kusama einst belächelt, und dafür feiert er sie heute. Ende der fünfziger Jahre hatte sich die Künstlerin, damals 29, in New York niedergelassen und hart daran gearbeitet, selbst die experimentierfreudigen amerikanischen Kollegen zu verblüffen. Sie trug exzentrische Kleider oder zeigte sich nackt an öffentlichen Plätzen. Vor allem aber entwickelte sie ihr eigenes Gesetz der Serie: Sie verwandelte Räume mit Hunderten von fluoreszierenden Punkten und Glühbirnen in einen abgedrehten Zirkus, bemalte auch die Gäste ihrer erotischen Happenings mit Tupfern und behängte Hunde passend zu ihren Skulpturen mit Makkaroni. Ansonsten gab sie sich ihren Halluzinationen und der psychedelischen Zeitstimmung hin. Mit Spaß hatte ihre Selbstinszenierung wenig zu tun. Kusama hatte New York als eine Art Exil auf der Flucht vor den strengen asiatischen Traditionen verstanden. 1974 aber kehrte sie nicht befreit, sondern seelisch stark angeschlagen nach Japan zurück und verzog sich zum Leben und Arbeiten in eine psychiatrische Anstalt. Eine Ausstellung in der Kunsthalle Wien zeigt nun vor allem neuere Arbeiten der heute 73 Jahre alten Kusama - die ihrem Publikum immer noch verwirrende Sinneserfahrungen voller Spiegel und Punkte beschert (bis 28. April).

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