Exportierte Isolde - DER SPIEGEL
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Exportierte Isolde

• aus DER SPIEGEL 47/1947
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Eine Reise von Hamburg nach Frankfurt ist heute strapaziös, nicht nur für die Menschen, auch für das was sie anhaben. Erna Schlüter jedenfalls, die Sängerin, hatte zwei Löcher im Strumpfhacken, als sie in Frankfurt ankam, um nach Amerika zu starten. Sie ist für ein halbjähriges Gastspiel an die Metropolitan-Opera in New York verpflichtet worden.

Erna Schlüter hat gerade einen 14tägigen, reich applaudierten Konzertbesuch in England hinter sich wo sie außerdem Platten besang und mehrere Sendungen über BBC gab. Ihr Berliner Konzert mit Furtwängler wurde ein stürmischer Erfolg, bei dem sie sich vor den Reportern nur durch die Flucht retten konnte.

Die Sängerin hat drüben gute musikalische Bekannte: die Dirigenten Arturo Toscanini, Bruno Walter und Fritz Busch und, durchaus schwerwiegend, Lauritz Melchior, den voluminösen Metro-Wagner-Tenor. Mit Melchior ist Erna Schlüter 1945 in Hamburg in einem Konzert aufgetreten. Seither hat die Korrespondenz zwischen ihnen nicht aufgehört.

Erna Schlüter, 42 Jahre alt und so statiös, wie man es von einer Hochdramatischen erwartet, die Sängerin mit dem großen Repertoire, das vom »Rosenkavalier« über die »Götterdämmerung« bis zum »Maskenball« reicht, ist die erste Deutsche, die nach dem Weltkrieg an die Metro engagiert worden ist. Ueberdies ist sie sozusagen »letzte Wahl«. 12 europäische Sängerinnen waren von der Metropolitan, die dem New Yorker Publikum eine Starabwechslung bieten will, in die engere Wahl gezogen worden. Die Hamburgerin machte das Rennen.

Hochdramatisch: Erna Schlüter Zwei Löcher im Strumpf

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