Falsche Perlen, echte Perlen - DER SPIEGEL
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Falsche Perlen, echte Perlen

• aus DER SPIEGEL 20/1947
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Im Jahre 1935 wurde in Wien ein neuer Georg Kaiser aufgeführt: »Adrienne Ambrossat«. Paula Wessely spielte die Titelrolle. Oesterreich war damals noch nicht ins Reich »heimgekehrt« (worden). Darum war es eine deutsche Erstaufführung, als jetzt »Adrienne Ambrossat« im Hamburger Thalia-Theater herauskam.

»Einen Menschen auf eine Formel festlegen, ist Schurkerei«, sagte Georg Kaiser, der Dramatiker, der sein Leben im Exil, in Ascona, beendete. In den wilden Jahren

nach dem ersten Weltkrieg legte Kaiser sich auf eine literarische Formel fest: auf den erbarmungslos glasklaren Expressionismus. Auch in seinem Schauspiel »Adrienne Ambrossat« bleibt seine Sprache eisgekühlt.

Das Stück ist nach einer Novelle von Maupassant geschrieben. Es geht um das Thema »Perlenkette«, das nicht allein von Kaiser variiert worden ist.

Adrienne hat auf einem Ball eine geliehene Perlenkette verloren. Die Perlen sind falsch, Adrienne glaubt, sie seien echt. Um ihren Mann zu schonen, gibt sie sich um den Preis einer Perlenkette einem anderen Mann. Diese Kette ist natürlich echt.

Als später ihr Mann vor dem Ruin steht, leiht sie die Kette noch einmal und verkauft sie. Vor Gericht in die Enge getrieben, bezichtigt sie sich des Diebstahls. Sie wollte mit ihrem Mann Karriere machen, sie habe ihn nie geliebt. Herr Ambrossat läßt sich scheiden.

Aus Übersee kommt, als »reitender Bote« gleichsam, ein Brief des Mannes, dem Adrienne sich hingab, aus Liebe zu ihrem eigenen Mann. Der Brief klärt das verworrene Lügengespinst, das die Frau gesponnen hat. Herr und Frau Ambrossat fangen ohne Perlen und Karriere noch einmal an.

Gisela von Collande, die in Hamburg in »Liliom« und der »Dreigroschenoper« Erfolg hatte, machte aus der Adrienne eine interessante psychologische Studie. Die kühle Sprache auf der Bühne ließ im Publikum keine Wärme aufkommen. Die weiblichen Zuschauer allerdings erwärmten sich an einer atemberaubenden Fülle eleganter Kleider.

Adrienne Ambrossat lügt aus Liebe (Gisela von Collande und Willi Gallwitz)

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