FOTOGRAFIE Fidele Omas
Eine Frau, weit über 70, sitzt im Beiwagen eines Motorrads, neben sich den 40 bis 50 Jahre jüngeren Lover. Sie raucht, sie lacht, die feuerroten Haare wirbeln im Wind. Eine Greisin steht auf einem meerumspülten Felsen, umgeben von nixengleichen Gespielinnen. In Wahrheit sind die Frauen auf den Fotografien der japanischen Künstlerin Miwa Yanagi, 37, sehr jung; die jüngste ist 18 Jahre alt. Mit Maske und digitaler Animation haben sich die Modelle in die Zukunft katapultiert, in eine Phantasie vom Gealterten, jenseits der Tabus, die das Altsein auch in der japanischen Gesellschaft umgeben. Die Provokation liegt darin, dass die, die alt aussehen, sich benehmen wie junge Leute. Mit der Bilderserie »My Grandmothers« setzt Yanagi einen Kontrapunkt zu ihrer früheren Inszenierung »Elevator Girls«, in der sich Gruppen uniformierter Liftmädchen - jung, ernst, und eingesperrt in ein unendlich trauriges Schicksal - ins Irgendwo zu träumen scheinen. Bis zu 18 Meter lang sind die Fotografien, auf denen die Künstlerin ihre weiblichen Welten festhält. Das Passauer Museum Moderner Kunst zeigt die stillen und die wilden Japanerinnen bis zum 12. Juni.