KLASSISCHE MUSIK »Fidi« wird Erzähler
Wie lebt es sich so als Monument? Dietrich Fischer-Dieskau kann seit Jahrzehnten ein Lied davon singen. »Es ist mehr Erinnerung an den 21-Jährigen in mir als an den 45-Jährigen«, schrieb der Bariton, den Generationen von Sängern als Goldstandard deutscher Liedinterpretation verehren, in seinen Memoiren. Das war 1987. Jetzt, zum 80. Geburtstag am 28. Mai, überrascht »Fidi«, wie ihn gute Freunde nennen dürfen, jenseits des Sängerruhms als Erzähler: Neben vielen Gratulations-CDs und DVDs erscheint bei der Deutschen Grammophon ein neuaufgenommenes Doppelalbum mit schaurig-bewegenden Melodramen von Robert Schumann über Franz Liszt bis hin zu Viktor Ullmann, deren Text der selbstbewusste Erz-Mime zur Klavierbegleitung vorliest. Einblick in seine Sängerlaufbahn, samt privaten Leidenschaften, gibt der Band »Dietrich Fischer-Dieskau - Ein Leben in Bildern« von Hans A. Neunzig (Henschel Verlag). Beim CD-Label Profil dagegen ehrt man den Jubilar listigsparsam: Dort erscheinen zwei Bach-Kantaten und Brahms' »Vier ernste Gesänge« in Aufnahmen von 1950/51, die seine jugendlich-lyrische Ausnahmestimme bewahren - und inzwischen auch dem Copyright und damit der Tantiemenpflicht entrückt sind.