Fliegende Kamera
»Ja, ich habe Flugangst«, sagt Ottmar Hörl, »doch für die Kunst muß man sich überwinden.« Also verpflichtete der Frankfurter Künstler jetzt einen Piloten und wagte sich mit einer alten Do-27 in den süddeutschen Luftraum. Dort, etwa in 200 Meter Höhe, warf er kurzerhand sechs nagelneue und motorisierte Photokameras aus dem Flugzeug. Auf jedem Film entstanden bei dieser kostspieligen Aktion 2,5 Bilder pro Sekunde, teils kontrastreiche Aufnahmen von der klapprigen Maschine, teils graue Landschaften. »Die von den Kameras selbsttätig produzierten Photos sind frei von Gefühl, Vorurteilen und bewußtem oder unbewußtem Sehen«, kommentiert der 37jährige Hörl. Er hat übrigens schon öfter sekündlich Kunst gemacht. Mal mußte ein Hammerwerfer eine Kamera in den Main schleudern, mal schoß ein Präzisionsschütze auf das Objektiv eines Photoapparates. Die Transportmotoren arbeiteten jedenfalls immer bis zum Filmende. Hörls Fazit: »Die Welt steht kopf.«