Frauen gegen Hitler - DER SPIEGEL
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ZEITGESCHICHTE Frauen gegen Hitler

• aus DER SPIEGEL 46/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie lachen auf den Propagandafotos, als wären sie auf einem Schulausflug. Doch für die meisten von ihnen war es die schrecklichste Zeit ihres Lebens. Über 800 000 Soldatinnen kämpften während des Zweiten Weltkriegs in der Roten Armee: rund 10 000 als Scharfschützinnen, andere fuhren Panzer, pflegten in Lazaretten oder dienten in einem der drei ausschließlich weiblich besetzten Fliegerregimenter.

Die meisten Frauen kämpften freiwillig. Doch am Ruhm des Sieges ließ sie Diktator Josef Stalin nicht teilhaben, wie eine Ausstellung im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst (vom 16. November bis zum 23. Februar 2003) zeigt. Das sowjetische Staatsoberhaupt Michail Kalinin riet im Juli 1945 demobilisierten Soldatinnen, über das Erlebte zu schweigen; die Veteraninnen passten nicht in das - seit Kriegsende neu belebte - Propaganda-Ideal der fürsorglichen Gattin und Mutter.

Auch in ihren Familien stießen die Heimkehrerinnen auf Ablehnung. »Für Verdienste im Kampf« hieß eine Auszeichnung der Roten Armee; wurde sie Frauen verliehen, hämte der Volksmund, das sei »für Verdienste beim Sex« - in Anspielung auf angebliche Liebschaften an der Front.

Jahrelang haben viele Kämpferinnen das Erlebte deshalb verschwiegen - und wurden im Alltag immer wieder davon eingeholt. Sie konnten, wie es in den Begleittexten zur Ausstellung heißt, beim Schlachter den Anblick von Hühnerfleisch nicht ertragen, weil es Menschenfleisch ähnlich sähe, flüchteten vor kreischenden Möwen, weil die Tierlaute an das Schreien der Verwundeten erinnerten, und litten unter den Geräuschen in ihren Köpfen: »Ich höre noch immer das Knirschen. Wie menschliche Knochen im Nahkampf brechen. Wenn in den Schädel, den Bauch, die Augen gestochen wird.«

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