Fremde Welten - DER SPIEGEL
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SCHALLPLATEN / NEU IN DEUTSCHLAND Fremde Welten

Hugo Wolf: »Italienische Serenade« / »Penthesilea« / »Orchesterlieder«. Evelyn Lear, Thomas Stewart, Wiener Jeunesse-Chor, Wiener Symphoniker. Dirigent: Otto Gerdes. Deutsche Grammophon 139 426/27; 50 Mark. »Das italienische Liederbuch«. Elisabeth Schwarzkopf, Dietrich Fischer-Dieskau, Gerald Moore (Klavier). Electrola SMA 91 546/47; 50 Mark.
• aus DER SPIEGEL 32/1969
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»Die Penthesilea eines Wahnsinnigen, Trottelhaften. eines Spaßmachers«, tobte Hugo Wolf nach dem Probenspiel seiner einzigen symphonischen Dichtung. »Meine Penthesilea war das nicht.« Hans Richter, der Dirigent und allmächtige Chef der Wiener Philharmoniker, aber höhnte: »Das ist der Mann, der es wagt, so über Meister Brahms zu schreiben.«

Richters Rache am respektlosen Brahms-Hasser Wolf konnte dessen Erfolg als Liederkomponist nicht bremsen, als Orchestermusiker jedoch war Wolf passe. Und das zu Unrecht, wie Otto Gerdes, der Chef producer der Deutschen Grammophon Gesellschaft, der für diese Platte die Wiener Symphoniker dirigierte, nachweist.

Die für kleines Orchester gesetzte, unbeschwert-bizarre »Italienische Serenade« und vor allem die genialische »Penthesilea«, eine symphonische Dichtung mit grellen Farben und kühnen Harmonien, weisen den reizbaren, kompromißfeindlichen Wolf als respektablen Symphoniker aus.

Wie bei der »Penthesilea«, zu der er sich von Kleists Drama anregen ließ, so hat der junge Wolf seine musikalischen Einfälle meist Dichter-Texten unterworfen und mit Verehrung fremde Gefühlswelten ausgemalt -- fürs »Italienische Liederbuch« aber fand er einen ganz persönlichen ironischen Stil:

Die 46 Gedichte von Paul Heyse, die er zwischen 1890 und 1896 in drei eruptiven Schaffensphasen komponierte, sind ein spöttischer, galanter, leidenschaftlicher Wechselgesang zweier Liebender. Sie enthalten zum erstenmal auch »viel absolute Musik« (Wolf).

Der -- freilich manierierte -- Bariton Fischer-Dieskau und die Sopranistin Schwarzkopf sind immer noch die besten Sänger Wolfscher Lied-Lyrik. Zum Glück, denn Fischer-Dieskau hält auf dem Schallplattenmarkt nach wie vor eine Art Lieder-Monopol.

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