Am Rande Fun im Ohr
Muss die Welt ganz ohne Trost sein, damit man große Gedanken in dieselbe setzen kann? Kulturmenschen singen seit je das Lob der Stille und der langen Weile: Nur in allereinsamster Einkehr, behaupten sie, ließe sich über knifflige Rätsel nachsinnen. Darüber etwa, dass Naddel offenbar schreiben kann (zumindest einen Entschuldigungsbrief an Kanzlergattin Doris); darüber, ob Peter Sloterdijk tatsächlich so herrendenkermäßig druff ist, dass ausgerechnet Wiglaf »Die Geburt der Schmiererkomödie« Droste ihm nun das zause Nietzsche-Bärtchen zwirbeln darf; oder darüber, ob man das Talk-Elend von Ex-Sportreportern mehr beweinen muss als die Emigration von Lothar Matthäus. Denken, das belegt diese kleine Rätsel-Parade, macht in unserer Zeit nicht klüger, sondern trübsinnig.
Und deshalb wollen wir den 20. Geburtstag einer genialen Erfindung bejubeln. TPS-L2 hieß das Modell, das die japanische Firma Sony im Sommer 1979 auf den Markt brachte - unter dem Produktnamen »Walkman": das erste tragbare Kassettengerät samt Ohrstöpseln respektive Kopfhörer. Für die Rhapsoden des kulturellen Niedergangs stand schnell fest, dass der Walkman Teufelszeug sei: ein Beschallungsapparat, der die Griesgramsruhe aus den U-Bahnen und womöglich jungen Menschen die Seele aus den Ohren sauge; ein Denkverhinderungskasten, welcher der Stille und der langen Weile den Garaus mache. In Wahrheit aber ist der Walkman, dessen Geburtstag Sony mit viel Bohai feiern will, das Zauberwerk, das der Spaßgeneration der Achtziger erst die rechte Weltsicht lehrte - und bis heute jedem Musikfan den Soundtrack liefert noch zum finstersten Lebensfilm. Ob's stürmt oder schneit, ob beim Grübeln über Naddel oder Sloterdijk: Hab Fun im Ohr - und lass dir die Laune nicht vermiesen.