Garstig Kinderlied - DER SPIEGEL
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Am Rande Garstig Kinderlied

• aus DER SPIEGEL 6/2002
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Schwarz an dem alten Krimi ist allenfalls der Humor. Die zehn handelnden Personen hingegen sind durch die Bank weiß, werden Stück für Stück sogar totenbleich. Und dennoch lautet der Titel des Werks, dessen Figuren nacheinander einem Killer zum Opfer fallen, »Zehn kleine Negerlein«.

In Hannover, wo der Agatha-Christie-Klassiker demnächst aufgeführt werden soll, sehen lokale Afro-Deutsche (so heißt es wohl politisch korrekt) allerdings nun Rot. Der Titel sei eine »Diskriminierung«. Die städtische »Antidiskriminierungsstelle« zieht mit: »Neger« sei was Negatives.

Der Bannspruch wird alle verstören, die im Kindesalter das titelgebende Lied von den immer weniger werdenden Negerlein sangen, übrigens in Großbritannien ebenso wie in Deutschland: Als Agatha Christie ihren Krimi 1939 veröffentlichte, hieß er »Ten Little Niggers«.

Wohl weil Lied und Titel empfindsame Gemüter ungut an die Kolonialzeit erinnerten, kam das Werk in dem halben Dutzend Verfilmungen, die ihm widerfuhren, oft unter anderem Namen heraus. Mal hieß es »Ten Little Indians« (auch nicht nett), mal »And Then There Were None« oder »Ein Unbekannter rechnet ab«.

Die Theaterleute in Hannover, die nun womöglich schon über einer weiteren Umbenennung brüten, können sich mit einem Erlass des Deutschen Presserats trösten. Der verfügte nämlich 1995, dass »Neger« im Deutschen kein »Schimpfwort« sei; »Negerlein« dürfte es mithin auch nicht sein.

Die Diskriminierungswächter aber sollten sich als Nächstes Agatha Christies berühmtestes Stück vornehmen: Steht dessen Titel »Die Mausefalle« nicht für qualvolles Verenden unschuldiger Kreaturen in einem von Menschen ersonnenen Tötungsapparat? Und wie finden aufrechte Tierschützer das? Vermutlich zum Schwarzärgern.

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