Gedenken an Schweinebanden - DER SPIEGEL
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KUNST Gedenken an Schweinebanden

• aus DER SPIEGEL 43/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer im deutschen Kulturbetrieb seinen Lieblingsfeind ärgern will, schreibt einen bösen Brief und lässt diesen in einem Feuilleton abdrucken. Eine oft praktizierte Taktik - die schon zu Kaiserzeiten funktionierte: Nur durfte der Worpsweder Maler Carl Vinnen sein »Mahnwort« an den Bremer Kunstvereinsleiter Gustav Pauli 1911 gar auf der ersten Seite der »Bremer Nachrichten« veröffentlichen. Er pestete gegen den Kauf des Gemäldes »Mohnfeld« von Vincent van Gogh, denn wegen solcher Kunst komme den Deutschen die ihnen eigene »Vertiefung, Phantasie und Empfindung des Gemütes« abhanden. Sein Geschwurbel löste eine nationale Debatte aus. Etwa 200 Künstler, Museumsdirektoren und Journalisten spalteten sich in zwei Fraktionen, beschimpften einander als »Schweinebande« und reichten Beleidigungsklagen ein. Die einen sagten aller Kunst den Kampf an, die aus Frankreich kam (wo der Niederländer van Gogh 21 Jahre zuvor gestorben war). Die anderen sprachen sie heilig. Heute können Museen von einem solch werbewirksamen Skandal nur träumen - oder ihm eine Ausstellung widmen: Die Bremer Kunsthalle inszeniert um das »Mohnfeld« herum die erste Schau zu van Goghs Landschaftsmalerei (bis 26. Januar). Ergänzt wird sie mit Bildbeispielen aus beiden Kunstlagern des Kaiserreichs. Vor Ausstellungsbeginn hat die Kunsthalle - vor allem wegen der vielen Werke van Goghs, deren Gesamtwert heute in die Milliarden geht - schnell noch eine neue Alarmanlage einbauen lassen.

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