Gefährlich erhellend - DER SPIEGEL
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Gefährlich erhellend

• aus DER SPIEGEL 53/1992
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Kavalleriepferde beim Hornsignal« scheint ein merkwürdiger Titel für ein Buch, das sich mit der Sprache in der Politik befaßt. Erhard Eppler, als SPD-Abgeordneter und ehemaliger Entwicklungshilfeminister mit der Sprache von Politikern bestens vertraut, hat die Metapher bei George Orwell ausgeliehen. Der hatte beobachtet, daß sich gewisse Phrasen wie von selbst einstellen, wenn die Rede auf ein bestimmtes Thema kommt. Die Wörter, so schrieb er, »gruppieren sich wie Kavalleriepferde beim Hornsignal automatisch in die gewohnte, immer gleiche Marschordnung«.

Eppler geht dem Unbehagen nach, das viele Fernsehzuschauer befällt, wenn in der »Tagesschau« Politiker ihre immer gleichen Statements loslassen. Der Leser wird sensibilisiert für fahrlässigen, derben oder wissentlich falschen Umgang mit den Worten.

Gefährlich erhellend wird die Politiksprache, wenn ihre Phrasen eigentlich nur vernebeln sollen. Ein Abgeordneter, der sagt, »ich gehe davon aus, daß die Konjunktur sich bald erholt«, will bloß beruhigen. In Wirklichkeit aber will er sich nicht festlegen.

Wo Sprache zur Verschleierung eingesetzt wird, wo sie die Verantwortlichkeit vom Sprecher trennen soll, dort finden sich häufig Wörter wie »Lage«, »Situation«, »Struktur«, »Problem«. Die »Arbeitsmarktsituation« etwa soll zeigen, daß der Sprecher leider keinen Einfluß auf den Arbeitsmarkt hat; die Situation ist eben so.

In seinem stärksten Kapitel stellt Eppler einen Satz zusammen, der inhaltsfrei eine Phrase an die andere reiht. Es ist ein Satz, der in Bonn tagtäglich verwandt wird: »Ich gehe davon aus, daß die Entwicklung der Lage die Lösung der Probleme erleichtert, aber auch eine Herausforderung darstellt, denn die unverzichtbare Voraussetzung für die Akzeptanz unserer Politik ist es, daß wir den Bürgern nicht in die Tasche greifen, sondern uns durch gezielte Maßnahmen als Partei des Aufschwungs profilieren.«

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