»Gefolgschaft erzwingen« - DER SPIEGEL
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»Gefolgschaft erzwingen«

Von Matthias Matussek
• aus DER SPIEGEL 43/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eines der merkwürdigsten Phänomene der Wende ist das mangelnde Interesse an der Kultur und das geradezu überschäumende an ihren Machern.

Die Theater sind leer. Doch ihre Produzenten füllen Hörsäle und Riesen-Auditorien. Und so treffen sich die Priester und Schamanen der Subventionskultur, die Funktionäre der Branche Sinnstiftung, und bilden Expertenrunden. Sie haben den heißen Draht zur Weltvernunft und veranstalten Scherbengerichte, die zwei Prämissen haben. Erstens: Wir Künstler sind die besseren Menschen. Zweitens: Das Volk muß erzogen werden. Moralisch erzogen.

Burgtheaterdirektor Claus Peymann spricht blitzenden Auges darüber auf einer Podiumsdiskussion am Einheits-Tag in Ost-Berlin. »Ihr müßt das Bewahrenswerte der DDR erhalten«, ruft er in der Humboldt-Universität, »etwa die Erziehung der Frauen.« Natürlich meint er das »Erziehungswesen« und die »Gleichstellung der Frauen«, aber auch darauf erntet er nur höhnisches Gelächter. Ihr müßt weiterhin Lenin lesen, sagt er weiter. Darauf betretenes Schweigen.

Auch Hans Jürgen Syberberg spricht von der Erziehung des Volkes. Und Stefan Heym - die Erzieher sitzen in allen Lagern - schüttelt den Kopf über seine vergierten Landsleute. In Kritikern dieser Anmaßung wittert Ivan Nagel rechte Verschwörer, Walter Jens sieht Lessing in Gefahr, und Susan Sontag mischt sich mit der Bemerkung von einem »German Kulturkampf« ein.

Einig sind sich die Künstler und Intellektuellen auf ihren Podiumsveranstaltungen nur in einem: Das Volk hat keine brauchbare Erste-Sahne-Revolution hingekriegt, sondern nur eine Art reaktionären Anschluß an die Marktwirtschaft. Das Volk sieht die falschen Filme und wählt die falschen Parteien. Das Volk geht nicht ins Theater. Das Volk will Golf fahren und Bratwurst essen und hat keine Moral. Eigentlich ist das Volk ziemlich bescheuert.

Das ist der momentane Talsohlenstand der Diskussion. Und nun blenden wir uns ein in das unendliche Gerede über Deutschland, über das Volk und die Kunst und erwischen, ganz zufällig, ein Gespräch, das am Wahlsonntag in der Ost-Berliner Akademie der Künste stattfindet. Thema: »Vom Glanz und Elend des Irrationalismus in Deutschland«. Eigentliches Thema: Ist Syberberg, dessen siebenstündiges Marathon »Hitler - Ein Film aus Deutschland« an den Tagen zuvor aufgeführt wurde, ein großer Künstler oder doch nur ein antisemitischer Idiot?

An diesem Sonntag, an dem die CDU im Osten des Landes ihre Triumphe feiert, ist der Hörsaal bis auf den letzten Platz belegt. Studenten, Punks, Akademiker. Der Bildhauer Werner Stötzer sitzt dort oben und der Germanist Klaus Theweleit, Filmemacher Hans Jürgen Syberberg und Akademiepräsident Heiner Müller und Schauspielerin Edith Clever. Und dann sitzt da noch Susan Sontag und schaut grimmig ins Auditorium und nickt militärisch knapp zur Dolmetscherin, die ihr ins Ohr flüstert.

Noch einmal an diesem Sonntag in der Ost-Berliner Akademie der Künste treten sie auf, die Matadore von Aufklärung und Gegenaufklärung, und sie theatralisieren noch einmal ihre Rollen, die sie im öffentlichen Diskurs der letzten zwei Jahrzehnte gespielt haben und die sie so schnell nicht abgeben möchten.

Die Gesprächsleitung hat Professor Werner Mittenzwei, Ost-Berliner Brecht-Experte, der das Publikum nur ungern an der Diskussion beteiligt, weil er nicht erleben möchte, was er den »doppelten Handke« nennt: die Beschimpfung des Podiums durch das Publikum. Das Publikum wird sich dieses Recht später von allein nehmen.

Der französische Theatermacher Bernard Sobel, im schwarzen Anzug, übernimmt die Rolle des Spezialisten für romanische Paradoxe: Er als Kommunist finde, daß Syberberg kein Irrationalist sei, sondern in Wahrheit ein Materialist, weil er versuche »das Unsichtbare sichtbar zu machen«.

An dieser Stelle springt Theatermacher Luc Bondy ein, in der Rolle des Zwischenrufers von der Balustrade. »Mit diesen Begriffen kommt ihr nicht weiter«, brüllt er zu Recht, worauf Bernard Sobel von »Terror« spricht und eine Zeitlang beleidigt ist.

Nun erzählt Syberberg. In sandfarbenem Leinenanzug sitzt er da und spricht davon, daß eine solche Veranstaltung »in der West-Berliner Akademie der Künste unter Herrn Jens wohl nicht möglich gewesen sei«, weil Jens zum Linkskartell gehört, als dessen Opfer sich Syberberg fühlt.

Susan Sontag schmollt. Offenbar kennt kein Mensch ihren Essay. Und keiner mag über den Hitler-Film reden, weil ihn kaum einer gesehen hat. Müde gibt sie ein Kurzseminar über deutsche Romantik, mit einer Miene, als streue sie Perlen vor die Säue. Wissen die Leute da unten eigentlich, daß es ohne sie, Susan Sontag, diese Veranstaltung nicht gäbe? Sie hat dem Film in den intellektuellen Zirkeln von New York bis Paris Geltung verschafft.

Sie hat seinen Mythos begründet. Und noch ehe die Veranstaltung vorbei ist, ist ein anderer Mythos zerstört. Der der Susan Sontag.

In einem Essay hatte sie Syberbergs »Hitler - Ein Film aus Deutschland« mit Joyces »Ulysses« verglichen und »das ehrgeizigste symbolische Kunstwerk unseres Jahrhunderts« genannt. Das ist vielleicht nur der Hollywood-Superlativismus der amerikanischen Filmkritik, denkt man sich bei der Lektüre und nimmt es nicht weiter ernst. Doch dann steht da ganz am Schluß der Satz, daß dieser Film ein Kunstwerk sei, das »unbedingte Gefolgschaft verlangen und sie auch erzwingen kann«.

Unbedingte Gefolgschaft? Ausgerechnet bei einem Film, dessen Titelheld Hitler ist? Ist die Sontag noch bei Trost gewesen, als sie das geschrieben hat? Die Kunstkritikerin in der Führerpose: ein Meisterwerk, unbedingte Gefolgschaft, wenn nötig erzwingen. Alles klar, Volk? Abtreten!

In diesem kleinen Satz liegt eine ganze Welt - der selbstherrliche Wahnsinn der Intellektuellen-Kaste, der Priester, die Werte setzen und Gehorsam verlangen.

Susan Sontags Beruf ist der der ästhetischen und politischen Instanz. Ihre Romane sind eher dürftig und verkaufen sich schlecht - doch als Instanz hat sie Marktwert. Sie belebt das Warhol-Prinzip für die politische Debatte - sie ist ihre eigene Behauptung. Natürlich hat sie eine gute Nase. Als eine der ersten hat sie, in ihrem »Camp«-Essay, die Geschmacklosigkeit zur Kunst erklärt. Als eine der ersten schrieb sie über Aids, und als eine der ersten schüttelte sie osteuropäische Dissidentenhände. Damals, in den siebziger Jahren, als Sophistication angesagt war - damals hat sie Syberbergs Zelluloidgebirge gefeiert und sich selbst, in einem höhenberauschten ästhetischen Führerkult.

Nun mußte sie dafür büßen. Während das Volk und die anderen an den Abenden zuvor spielfrei hatten, saß sie im Hörsaal der Akademie und sah ihren Film und hielt die Stellung, Reihe vier, Mitte. Der Film konnte die »unbedingte Gefolgschaft« nun doch nicht »erzwingen« - der Hörsaal war halbleer. Wie die Reaktionen am Abend zuvor, im ersten Teil des Marathons, gewesen seien? »Das weiß ich nicht«, schnappte sie beleidigt. »Ich auf jeden Fall sehe ihn jetzt zum neunten Mal. Ich habe über den Film geschrieben, wie Sie hoffentlich wissen.«

Hinter ihr lümmelten sich drei Punks mit gefärbten Haaren und aßen Puffreis und sahen genauso aus wie die Leute, in denen für Syberberg der geistige Niedergang des Abendlandes verkörpert ist. Doch immerhin war Susan Sontag da und hielt die Stellung und raunte ihm begeistert zu: »You're a great artist.«

Der Film sammelt sämtliche Klischees, die im amerikanischen Mittelwesten über die Krauts kursieren: markige Gesichter unter den Schirmmützen der Totenkopf-SS, Wagner- und Beethoven-Musiken, Endzeitphilosophie, Schäferhunde, Studio-Nebel, Hitler-Puppen. Weil Susan Sontag diesem »Dämonischen im Deutschen«, kurz: Syberbergs Ästhetisierung des Faschismus auf den Leim gegangen war, konnte der Filmemacher damals den desinteressierten deutschen Kritikern entgegendonnern: Seht her, nur im Ausland werde ich verstanden.

Nun sitzt Susan Sontag, die »intelligenteste Frau Amerikas«, wie sie sich nicht ungern nennen läßt, mißmutig dort oben und starrt ins Parkett. Die Deutschen da unten mögen den Film nicht. Sie haben ihn noch nicht mal gesehen. Und sie sind gar nicht auf der Höhe ihres eigenen Klischees: keine Lederhosen in den Reihen, keine Bierhumpen, keine Schäferhunde, und keiner summt den »Parsifal«.

Der Film feiert das Herrenmenschentum. Die Größe, das Herrschen, den Furor, den neuen Menschen. Benn und andere kluge Köpfe waren darauf Anfang der dreißiger Jahre hereingefallen. Doch Benn sah bald, vom Fenster seiner Praxis aus, die braunen Horden vorbeimarschieren. Und er wandte sich angeekelt ab, angeekelt auch von der eigenen Verführbarkeit, dem eigenen Irrtum, und schwieg.

Susan Sontag aber kennt die Geschichte. Sie müßte, selbst in diesen Zeiten der zusammenbrechenden geistigen Koordinatensysteme, vor einem Rück-Fall in diesen sinnstiftenden Gralsquatsch gefeit sein.

Vielleicht, überlegt man sich, während sie dort oben sitzt, vielleicht hat ihr Essay, der in einer Art intellektueller Autogrammjägerei alle Größen des europäischen Geisteslebens als Hilfstruppen für »ihren« und Syberbergs Film heraufbeschwört, damit zu tun, daß sie das Geschwätz aus Syberbergs Film nicht versteht. Wo sie nur den »Wohllaut« von Andre Hellers Stimme vernimmt, hört der deutsche Zuschauer den nervtötenden Weaner Singsang des Roncalli-Clowns, der klingt wie brechende Zuckerstangen und der dabei aufgedonnerten Blödsinn memoriert wie: »Nehmen wir einmal an, wir träten vor Hitler wie vor Jesus Christus am Jüngsten Gericht. Und er fragt uns, was wir aus dieser Welt gemacht haben . . .«

Nehmen wir mal an, Susan Sontag, die auf ihre (exzellente!) Dolmetscherin angewiesen ist, hat das alles nicht verstanden. Auch beim neunten Mal nicht. Nur so, könnte man ihr zugute halten, wäre das perverse Mißverständnis möglich, ausgerechnet in diesem Bildkitsch das Konzept der »messianischen Zeit« des jüdischen Marxisten Walter Benjamin zu erkennen. Nur so, daß sie von der »moralischen Größe« des Films und seines Machers schwafeln kann, der doch nur elegisch über das Durchhalten an der Auschwitz-Rampe philosophieren läßt.

Mit der erneuten Aufführung des Hitler-Films und der wiederholten Lektüre des Essays darüber ist ein Bluff aufgeflogen. Syberbergs Film hat sich, 13 Jahre nach seiner Entstehung, als formlose, schwer erträgliche Worthalde erwiesen, und Susan Sontags Stahlhelm-Aufsatz von der Avantgarde-Front - ein Film, der »unbedingte Gefolgschaft verlangt und sie auch erzwingen kann« - als böser Unsinn, von dem sie sich auch an diesem Vormittag nicht distanziert.

Im Gegenteil: Beide, Syberberg und Sontag, halten ihre Stellungen als »moralische Instanzen« und merken nicht, wie obsolet diese Rolle in ihrem Fall geworden ist.

Während Syberberg seiner moralischvölkischen Aufrüstung treu bleibt, bereitet die geschmeidigere Susan Sontag indes vorsichtig ihren Absprung vor. Wie aus allen Wolken fällt sie, als der Wissenschaftler Klaus Theweleit aus Syberbergs neuestem Buch zitiert, Passagen über die »jüdische Intelligenz« und ihre Verschwörungen. »Das ist erschreckend, was ich da höre.«

Und das ist offenbar ziemlich verlogen, denn später sagt sie, sie habe »Syberberg auch privat schon gesagt, daß seine Ansichten vulgär und ungeheuerlich seien« - sie kannte seine Ansichten also. Dann schweigt sie beleidigt, und die deutschen Künstler und Wissenschaftler sind wieder unter sich.

Edith Clever, eine reizende Somnambule im erdfarbenen weichen Kostüm, nimmt das Wort: »Syberberg geht gegen das Lauwarme, das Mittelmäßige vor«, sagt sie, und vom Balkon kommt der rhythmische Sprechchor: »Aufhören, aufhören.« »Ich bin . . . erstaunt«, sagt da die Clever und schaut zart und mißbilligend in die Runde. Am Abend zuvor hatte sie die Marquise von O. gegeben, in einer Inszenierung von Syberberg. Der erzählt davon. Ach was, er schwärmt.

Da hält es den Wissenschaftler Klaus Theweleit nicht mehr. »Sie tun so, als ob es Kleist ohne Sie nicht geben würde.« Und bereitet den ersten schönen Höhepunkt der Diskussion vor. Denn nun fragt Syberberg: »Haben Sie meinen Kleist gesehen?« »Nein«, gibt Theweleit kleinlaut zu, er hat dem Syberberg seinen Kleist nicht gesehen. Da schreit Syberberg triumphierend auf: »Das sind die Deutschen! Das sind die Deutschen! Er gehört weg! Er muß strafsitzen! Es ist eine Unverschämtheit!« Unbedingte Gefolgschaft erzwingen!

Er läßt sich zurücksinken und seufzt: »Wenn Sie wüßten, was dieser Schluß Kleist gekostet hat und was er mich gekostet hat.« Offenbar hat er damit seine komische Wirkung - ich und Kleist gegen die Barbarei - unterschätzt. Verletzt brüllt er ins Gelächter: »Lachen Sie nicht! Wollen Sie Stalingrad? Wollen Sie Hitler? Das ist Kampf!«

Nun interveniert Akademiepräsident Heiner Müller. Beruhigend, beschwichtigend. »Wir haben leider keine Möglichkeit, Klaus Theweleit erschießen zu lassen«, sagt er, was alle im Saal verstehen, denn offenbar war Theweleit, der mit seinen »Männerphantasien« in den siebziger Jahren brillant über die faschistische Ästhetik gearbeitet hatte, die Rolle des linken Syberberg-Kritikers zugedacht. Allerdings ist Theweleit schlecht in Form. Noch einmal darf er ans Mikrofon. Er liest aus dem Vorwort eines Syberberg-Buches. »Hier hat er meinen Namen falsch geschrieben«, sagt er beleidigt, und allen im Hörsaal ist klar, daß Syberberg das wahrscheinlich extra gemacht hat. Gemein!

Und das ist noch nicht einmal das Schlimmste: Syberberg hat auch genau das Gegenteil von dem kolportiert, was seine, Theweleits, Frau in Wahrheit gesagt habe . . . Was genau Frau Theweleit gesagt hat, wissen wir leider nicht, denn Theweleits Ausführungen gehen bald wieder im Getümmel unter.

»Das ist doch eine melodramatische Inszenierung bourgeoiser Kultur, was hier stattfindet«, brüllt einer von ganz hinten, und seine Freunde lachen begeistert. Brecht-Experte Mittenzwei, dem die Diskussion aus den Händen geglitten ist, will die Veranstaltung schließen.

Doch da meldet sich, in diesem Pfeifenkonzert, in diesem Pfauenzirkus, in diesem Kabarett intellektueller Marktweiber, ein alter Mann. »Unterbrechen Sie mich, wenn ich zu lange rede«, sagt er, und keiner unterbricht ihn, denn er ist der einzige, der nicht punkten will, sondern der ungeschützt von seinen Erfahrungen spricht.

»Ich könnte Nazi werden nach diesem Film«, bricht es aus ihm heraus, »und das, obwohl ich meine Familie in den Konzentrationslagern verloren habe.« Seine Stimme zittert. Man habe in diesem Film die Ausführungen des Kammerdieners Hitlers gehört. Der sprach davon, daß Hitler ein guter Gesellschafter gewesen sei. »Ja, seid ihr denn noch bei Verstand? Ein guter Gesellschafter - und sechs Millionen vergaste Juden! Mindestens eine halbe Stunde sprach der Mensch über diesen Hitler und über seine Unterhosen - aber ich konnte die 60 Millionen Toten nicht vergessen, die der Krieg gekostet hat.« Seine Stimme wird brüchig. »Warum lassen Sie diesen Menschen so lange sprechen?« sagt er verzweifelt. Die Texte in diesem Film, die seien doch nur Pseudophilosophie. Und dann, ganz schlicht und einfach, an Syberberg gewandt: »Ich hatte den Eindruck, Sie mögen Hitler.«

Nachdem der Mann geendet und wieder Platz genommen hat, will die Diskussion nicht mehr richtig zünden. Was dieser alte Mann gesagt hatte, bewies nicht sehr viel Sophistication, aber es hatte Würde und Wahrheit.

Susan Sontag weist zwar makaber unsensibel und eitel noch einmal auf ihren Essay hin, der eine »sehr komplexe Sichtweise auf den Film« enthalte, und sie spricht noch einmal von der Würde des großen Künstlers Syberberg, von seiner »Nobilität«, die es »in Amerika leider nicht mehr gebe«, aber keiner hört mehr so richtig hin, weshalb Susan Sontag dann auch wieder schmollend abbricht. Das Instanz-Business dieser Tage ist auch nicht mehr das, was es mal war.

Ganz zum Schluß ergreift Akademiepräsident Heiner Müller noch einmal das Wort. Und er schafft es, einen unerwartet-erträglichen Schlußpunkt unter eine Veranstaltung zu setzen, die den Bankrott der gegenwärtigen Diskussionskultur in und über Deutschland zelebrierte. Wenn ihn einer frage, wie Deutschland in Zukunft aussehen solle, müsse er sagen, er wisse es nicht. Da sagt tatsächlich einer der Künstler: »Ich weiß nicht.«

»Wenn ich höre: Der Künstler hat die Aufgabe . . . ist es schon falsch«, fügt Müller leise hinzu. »Ein Problem der Intellektuellen ist, daß sie ihren Einfluß überschätzen. Wir müssen aufhören Religionsstifter sein zu wollen.«

Das ist doch schon mal ein Anfang.

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