MODE Gefühl und Härte
Das Erscheinungsbild selbstbewusster Straftäter inspirierte die Mode seit je. Mit Mafiosi-Eleganz, teils aus Spielfilmen, teils aus dem wirklichen sizilianischen Leben, feierten etwa Dolce & Gabbana in den USA Verkaufserfolge. Auf das Image des gut gekleideten Ganoven folgte das des stolzen Knackis: Die so genannten Baggy Pants - Hosen, deren Schritt bis zwischen die Knie heruntergerutscht ist - wurden nicht etwa von jugendlichen Trendsettern erfunden, sie stammen aus Gefängnissen; in den meisten dürfen keine Gürtel getragen werden. Selbst die verbreitete Angewohnheit, Turnschuhe ohne Schnürsenkel zu tragen, kommt aus dem Knast. Gefängniskleidung imitieren - darin steckt auch ein wenig Opposition gegen Markenklamotten. Halstücher, um den Kopf geknotete Hemden, Overalls und der typische Knastdrillich stehen für Gefühl, Härte und Authentizität. Die Gefängnisse profitieren von diesem Trend: Noch angesehener als nachgemachte Knastklamotten sind solche, die im Knast selbst hergestellt wurden. Keine Mangelware, denn in der Kleidungsmanufaktur einsetzbare Arbeiter gibt es genug: Die Zahl der in den USA Inhaftierten entspricht etwa der Bevölkerung der Staaten Wyoming, Montana und North Dakota zusammen.