Gegen Gummipeter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 82 / 95

BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Gegen Gummipeter

Valerie Solanas: »Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer SCUM«. März; 104 Seiten; 5 Mark.
• aus DER SPIEGEL 47/1969
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Er ist »ein halbtoter, reaktionsloser Klotz, eine biologische Katastrophe, eine wandelnde Fehlgeburt, ein Gummipeter auf zwei Beinen« und »irgendwo im Niemandsland zwischen Mensch und Affe stehengeblieben«.

Valerie Solanas, 30, die sich derart despektierlich über das sogenannte stärkere Geschlecht ausläßt, kennt kein Erbarmen mit den Männern. Für sie sind die Herren auch noch »Blutsauger« und »emotionale Parasiten ohne moralische Lebensberechtigung«, kurz: »Scheißkerle«.

Die Amerikanerin, die ansonsten Sexualdramen verfaßt, ist so schrecklich wütend, weil sie erkannt zu haben glaubt, daß der Mann an allem schuld sei -- an Krieg, Haß, Gewalt und Langeweile, vor allem natürlich an der Unterdrückung der Frau, denn: »Er weiß, daß eine aufgeklärte weibliche Bevölkerung für ihn das Ende wäre.«

Doch der Untergang dieses »grausamen, verklemmten Geschöpfs« wird nun nicht mehr lange auf sich warten lassen: Als Rächerin und Retterin der Frauen und der Gesellschaft schlechthin hat Fräulein Valerie »SCUM« (Society for Cutting Up Men) gegründet, die Gesellschaft zur Vernichtung der Männer, deren Ziele und Methoden sie in diesem so fanatischen wie fidelverrückten Pamphlet fixiert »SCUM wird sich kalt und heimlich an die Opfer heranschleichen und geräuschlos morden.«

Die Pop-Suffragette hat schon bewiesen, daß es ihr auch durchaus ernst ist: Von geliehenen 50 Dollar erwarb die Solanas einen 32er Colt und schoß damit, am 3. Juni 1968, auf den Pop-Artisten Andy Warhol. Der Mann überlebte freilich.

Zur Ausgabe
Artikel 82 / 95