ARCHITEKTUR Gehrys Masken
Das Potemkinsche Dorf funktioniert auf zweierlei Weise, das beweist der kalifornische Architekturstar Frank Gehry, 71, mit seinen beiden jüngsten Gebäuden in Deutschland. In Düsseldorf hat der experimentierwütige Baumeister vor kurzem ein Gebäudeensemble mit wirklich atemberaubenden Fassaden entworfen: Sie biegen und sie wellen sich, wirken wie gefrorener Wackelpudding. Doch Besucher, die einen der drei Türme betreten und eine Raum-Achterbahn erwarten, werden enttäuscht; sie treffen auf konventionelle Büroräume - außen hui, innen na ja. In Berlin verfährt der Architekten-Irrwisch genau umgekehrt. Sein Gebäude für die DG Bank am Pariser Platz gibt sich außen modernistisch-schlicht: weißer Stein, raumhohe Glasöffnungen, alles gerade. An dieser Fassade den Gehry zu erkennen - unmöglich. Aber innen demaskiert er sich, da geht es ab: Ein fischförmiger Lichthof bestimmt die Gebäudemitte, der Boden ist gewölbt und gläsern, die Decke schuppenartig gemustert, am Raumende öffnet sich eine abstrakte Glasskulptur, die Gehry selbst unbestimmt ein »prähistorisches Etwas« nennt. Hier also gilt: außen brav, innen verwegen.