Kunst Gemeines Glücksrad
Die Welt ist ein Karussell: Kirmesmusik dudelt, Lichterketten laufen blinkend rundum und gaukeln dem Betrachter vor, das Amüsier-Gehäuse finge tatsächlich an zu kreisen. Edward Kienholz, der 1994 verstorbene US-Künstler, hat es mit seiner Frau Nancy erbaut, es üppig mit Flohmarkt-Schnäppchen aus allen Erdteilen bestückt, ihm reichlich Symbolik aufgeladen und einen barocken Titel verpaßt: »The Merry Go-World or Begat by Chance and the Wonder Horse Trigger« (etwa: »Die rotierende Welt oder Zeugung durch Zufall und das Wunderpferd Trigger"). Das steht nun bis zum 5. Mai in der Düsseldorfer Kunsthalle. Pferde, Löwen und Elefanten umrunden das Karussell in buntem Zug, ein kostümierter Affe steht als Türwärter bereit: Jeweils nur ein Besucher darf das Glücksrad neben dem Eingang drehen und dann das dunkle Innere betreten. Dort blitzt, je nachdem, welche Zahl der Gast gelost hat, kurz eine von acht verschiedenen Kienholz-Szenen aus Fotos und Reise-Souvenirs auf - so als ob das Schicksal blind entschiede, ihn beispielsweise in einen Pariser Salon oder einen brasilianischen Slum zu versetzen. Die Chancen stehen schlecht: Auf ein Wohlstands-Tableau kommen zwei Bilder von mäßiger, fünf von bitterer Armut.