Abgefahren: Kunst auf dem Autodach - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Abgefahren Kunst auf dem Autodach

"Guck mal der Hund" - "Wo denn?" - "Da, auf dem Autodach". Wenn der Künstler Helmut Dick durch Bonn fährt, sind ihm die Blicke der Passanten sicher. Auf seinem Autodach steht ein ausgestopfter Schäferhund. Sein neuestes Werk.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bonn - "The Rising Dog", der emporsteigende Hund, hat der Künstler sein Werk genannt. Auf Knopfdruck wird das Tier vom Beifahrersitz auf das Dach des PKW hochgefahren. Und dann werden Bonns Straßen zum Ausstellungsraum.

"Das Ziel des Kunstwerks sind die Reaktionen der Menschen, ob und wie sie das Fahrzeug im alltäglichen Straßenverkehr wahrnehmen", sagt Helmut Dick. "Denn die Komponenten sind ja ganz alltäglich, einen Schäferhund und ein weißes Auto sieht man jeden Tag, aber eben nicht in dieser Kombination. Ich möchte, dass die Menschen sich eine Geschichte ausdenken, sich überlegen, wie der Hund wohl auf das Dach gekommen ist."

Um die Kreativität der Beobachter etwas anzuregen, hat Dick seinem Hund einen Verband um den Kopf gewickelt. Nicht jeder erkennt in dem Schäferhund sofort das arrangierte Kunstwerk, viele halten ihn für echt. Eine ältere Dame wollte wissen: "Wie schaffen sie es denn, dass der Hund so lange still steht?", dann aber verstand sie, "das ist bestimmt weil der Schmerzen am Kopf hat". Andere Passanten fanden das Werk "makaber", die meisten blickten aber nur ungläubig bis amüsiert.

Mehr Verständnis für den "Rising Dog" hatte eine Jury in Den Haag, sie verlieh Helmut Dick dafür den "Prix de Rome" für junge Kunst, in der Kategorie Bildhauerei. Mann und Hund sind schon in Amsterdam und Den Haag durch die Straßen gefahren. Bis zum 19. August ist das Tüv-geprüfte Kunstwerk auf den Straßen seiner früheren Heimatstadt zu sehen. Dann wird es Teil der Ausstellung "Bon direct", die Künstler zusammen bringt, die wie Helmut Dick (geboren 1969 in Bonn) biografisch mit der Stadt verbunden sind.

Ein ausgestopftes Tier als Dachträger ist gewissermaßen ein typisches Werk für den Wahl-Holländer Dick. Er sucht die Nähe der Kunst zum öffentlichen Raum. In Berlin-Mahrzahn baute er Kopfsalat in einem vom Schatten eines Hochhauses vorgegeben Stück Wiese an. In Amsterdam befestigte er ausgestopfte Möwen auf einer Verkehrsampel. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches für die Autofahrer, aber bei genauerem Hinsehen erkannte man, dass die Augen der Tiere zeitgleich mit der Ampel von Rot auf Gelb und Grün schalteten.

Den Hund für sein neuestes Werk hat Helmut Dick von einem Tierpräparator in Moers. In Heimarbeit verstärkte der Künstler die Beine des Tieres, dabei glaubt er die Todesursache des Tieres erkannt zu haben. "Die Krallen der Hinterläufe waren ganz abgewetzt, der Hund hatte wahrscheinlich einen Hüftschaden."