Action-Serie "Wilde Engel": Murks mit Mädchen - DER SPIEGEL
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Action-Serie "Wilde Engel" Murks mit Mädchen

"Wilde Engel" ist die erste deutsche Actionserie mit weiblichen Heldinnen, wie man bei RTL stolz verkündet. Ansonsten ist es das bekannte Rezept: Drei Frauen im Einsatz für das BKA. Eine rothaarig, eine blond, eine braun - und dazu ein älterer Herr, um die Weltordnung wieder herzustellen.
Von Johanna Straub
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich geht es nur darum, möglichst viele Stunts unterzubringen, möglichst viele verschiedenen Fahrzeuge bei den Verfolgungsjagden einzusetzen und ab und zu die Großaufnahme eines perfekt geschminkten Gesichtes mit einer blutigen kleinen Schramme zu zeigen. Das ist sexy, weiß man bei RTL.

Und dann ist da noch die Story: Am Anfang der gestern Abend ausgestrahlten zweiten Folge der neuen Actionserie trifft Rabe - das ist natürlich die Dunkelhaarige - ihren alten Kumpel Oli, der ihr etwas sagen will, aber leider erschossen wird. Bevor er stirbt, erwähnt er röchelnd etwas namens "Shanan". Der Mörder flieht im schwarzen Auto und Rabe verfolgt ihn auf dem Motorrad, wobei ihr ihre Fähigkeiten als Ex-Rennfahrerin zugute kommen. Im Vorbeifahren zieht sie eine Eisenstange aus einer Mülltonne, mit der sie das Fahrerfenster einschlägt. Sie springt dann aber auch noch effektvoll auf die Motorhaube, so ist es ja nun nicht.

Trotzdem entkommt der Bösewicht zunächst und die Engel konferieren in einem Wohnzimmer zusammen mit einem älteren Herren, der uns nicht weiter vorgestellt wird (heißt er Charlie?) und keine weitere Funktion zu erfüllen scheint, als die Weltordnung wieder herzustellen. Rabe erstattet Bericht: "Oli baut Scheiße und ich hol ihn da raus, so war es schon immer." Die Post, so ein Zufall, liefert erste Hinweise durch die Ankündigung einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Der "Shanan", stellt sich heraus, ist ein fetter Klunker, den eine großzügige alte Dame aus dem Tresor holen wird, um ihn der Öffentlichkeit bei einer Charity-Gala vorzuführen. "Wie viel auch immer ich gebe, es ist nie genug. Deshalb auch die Benefizveranstaltung." Diese wird passenderweise in einem Spielcasino stattfinden. "Mädels, ich glaube, wir gehen zocken."

Jetzt wird kurz ausgehandelt, wer den "Shanan" tragen darf, um ihn vor den Dieben zu beschützen. Franziska gewinnt mit dem Argument "Ein Smaragd passt besser zu roten als zu blonden Haaren" und Lena guckt in die Röhre. Rabe war von Anfang an nicht interessiert, weil sie ja Ex-Rennfahrerin ist und somit nicht an Schmuck interessiert. Außerdem kennt der Mörder sie ja schon.

Im Casino rennt Franziska prompt in den Mann, der sich später als der Bösewicht entpuppen wird. Eine halbe Sendeminute lang starrt sie ihn an wie das Kaninchen die Schlange, wohl, weil sie ihn attraktiv findet, und nichts geht mehr. Aber schon kurz darauf sind die drei bereit zum Kampf - die Blonde in weiß, die Dunkle in schwarz. Die Rothaarige trägt natürlich rot und um den Hals den "Shanan". Der sieht so aus wie das "Herz des Ozeans" in "Titanic" und lässt den Bösewicht, der ihr jetzt am Roulettetisch in den Ausschnitt starrt, sagen: "Da weiß man ja gar nicht, wo man hinschauen soll."

Die beiden treiben das spannende Farbspiel am Roulette-Tisch weiter und prompt entspinnt sich ein angeregtes Gespräch: "Patrick" - "Hm?" - "Mein Name. Patrick Ziegler" - "Ich bin Franziska. Wir haben gewonnen." - "Ich wusste es doch. Rot ist ihre Farbe". Dann geht Patrick los, um den Tresor zu knacken, und Franziska sieht ihm traurig hinterher, während ihre Kolleginnen gerade seine Kollegen dingfest machen. Einer liegt allerdings schon tot im Flur. "Mausetot" - "Neun Millimeter" - "Wie bei Oliver."

"Shanan" heißt nicht nur der Smaragd, um den es am Ende gar nicht ging, sondern auch die spendable alte Dame, die von ihrem verstorbenen Gatten so genannt wurde. Messerscharf kombinieren die Engel, wo der verschwundene Patrick Ziegler sich aufhält, nämlich im Hotelzimmer der Dame und noch dazu mit gezückter Waffe, um sie umzulegen. "Schickt sie mein Schwager?" - "Wen kümmert das jetzt noch?". Bevor er abdrücken kann, stürmen die Engel das Zimmer und es muss wieder verfolgt werden. Zwei stürzen Patrick hinterher aus dem Fenster, die dritte erkundigt sich bei der Alten, ob sie ein Boot habe. "Nur einen Hubschrauber." - "Danke, den hab ich selbst."

Es folgt eine weitere Hetzjagd zu Lande, zu Wasser und in der Luft, und kurz vor Ende der Folge haben sie ihn dann. Ob er sie wiedersehen werde, will der geschnappte Patrick von Franziska wissen. Rabe sieht dafür schwarz und das ist nun einmal nicht Franziskas Farbe.

Dafür ist die alte Lady sehr zufrieden. "Selten wurde der 'Shanan' so gut beschützt", lobt sie die Engel. "Sie haben mir das Leben gerettet, vielen Dank." Zum Abschluss legt sie das Smaragdherz um Lenas Hals mit der Bemerkung, dass der Stein auch ihr sehr gut gestanden hätte - und damit überwiegen wieder Einigkeit und Solidarität über die im Hintergrund schwelende Konkurrenz, wie das bei Frauen eben so ist, nicht wahr?

Und wie das bei Frauen eben so ist, kündigt man bei RTL nicht nur an, dass dies die erste deutsche Actionserie mit weiblichen Heldinnen ist, sondern auch noch, dass Cleverness, Fitness, Intelligenz und Charme ihnen bei ihrem Kampf helfen - worüber jeder anständige deutsche Actionheld zu Recht beleidigt wäre.

Nach der hohen Einschaltquote (im Schnitt 5,34 Millionen) des Pilotfilms "Der Kronzeuge" letzte Woche, laufen die wild gewordenen Engel nun wöchentlich Dienstags zur Prime Time.

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