ADC-Wettbewerb 2001 Schöne bunte Werbewelt
Das Credo der Werbebranche ist einfach: Kreativität schafft Aufmerksamkeit. Und wenn ein kreativer Kopf mit seiner Idee den Nagel auf den Kopf der Verbraucher getroffen hat, bekommt er den Metallstift als Gold-, Silber- oder Bronzemedaille vom Art Directors Club (ADC) verliehen. Ruhm und Ehre gehören den kreativen Talenten, die "erfolgreich performed" haben - und das ungeteilte Interesse der Headhunter. Geld gibt es in diesem Wettbewerb nicht. Die Kreativität zahlt sich aber um ein Vielfaches beim Wettbewerb ums Neugeschäft aus.
Die 130-köpfige Jury des ADC, sämtlich hochdekorierte Kreative, nahm kritisch unter die Lupe, womit Deutschlands Werbeagenturen im letzten Jahr die Aufmerksamkeit erregen wollten: Beim 38. Wettbewerb des 300 Mann starken Werber-Clubs, im sich Fotografen und Designer, Texter und Kreativdirektoren zusammengeschlossen haben, wurden unter dem Motto "Kreativität lohnt sich" 6935 Exponate in 27 Kategorien beurteilt. Um die Entscheidungsfindung zu erleichtern, bot sich ein Schnelldurchlauf durch die schöne bunte Welt der Werbung in der Kongresshalle am Flughafen Tempelhof. Auf meterlangen Stellwänden waren - schwarz gerahmt und anonym - Anzeigen und Plakate, Fotos, Typografien und Grafiken oder Zeitschriftentitel ausgestellt, daneben liefen über Leinwand hitverdächtige Kino- und TV-Spots.
Die Preisverleihung in der Deutschen Oper prämierte nur zwei Prozent der gezeigten Arbeiten mit den begehrten Nägeln: 98 mal Bronze, 42 mal Silber und elf mal Gold. "Wir sind echte Schlachter", gab Vorstandsmitglied Gerald Heinemann bei der Gala zu. Abgeräumt haben dieses Jahr wieder die großen Agenturen: Jung von Matt punktete mit der Imagekampagne für die Deutsche Bahn und mit der CinemaxX-Kampagne "Dunkel", Springer & Jacoby erntete für den Coca-Cola Spot "Car" und die "Die Welt"-Anzeigen viel Anerkennung, Scholz & Friends gewann mit der Fortsetzung der FAZ-Kampagne "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" und Saatchi & Saatchi glänzte mit dem "Audi"-Spot "Skischanze". Auch die Titelbildredaktion des Spiegel gewann eine Nagel-Trophäe für den Titel "Im Land der Lügen".
Neben Gold, Silber und Bronze wurden an diesem Abend zwei weitere Auszeichnungen verliehen: an den Kunden des Jahres, Dirk Huefnagels von der HypoVereinsbank, und an das ADC-Ehrenmitglied Rudolf Augstein, für den stellvertretend Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust den Preis entgegennahm.
Wie kriegt man den Konsumenten, der Reklame als "Müll" empfindet, dazu, sie trotzdem wahrzunehmen? Mit Plakaten wie diesen: Auf einem Teller befinden sich Steak und Tomatenketchup, am Tellerrand ist die Ketchup-Ecke rausgebissen. "Die beste Werbung wird von ganz normalen Leuten gemacht", erklärte ADC-Vorstandsmitglied und Kreativ-Chef der Berliner Agentur Scholz & Friends Sebastian Turner. Doch ob der Briefträger beim Bügeln, Geschirrabwaschen oder unter der Dusche tatsächlich solche Ideen bekommt, lässt sich bezweifeln. Unzweifelhaft ist dagegen, wie gute Werbung funktioniert: Schnell und überraschend. Wenn eine Kampagne - die in rund acht Monaten harter Arbeit entstanden ist, es schafft, gerade mal dreieinhalb Sekunden Aufmerksamkeit zu erwecken, ist das ein Riesenerfolg. Hinschauen ist gefragt. Und der Werber, der das schafft auch.