Andy Warhol in Berlin: Mörder und Medienstars - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Andy Warhol in Berlin Mörder und Medienstars

Eine große Andy-Warhol-Retrospektive mit zum Teil noch nie gezeigten Bildern startet am Samstag in Berlin. Die Neue Nationalgalerie präsentiert den Pop-Art-Künstler als bedeutenden Chronisten seiner Zeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es sind Bilder von Schrecken und Gewalt: Atomkatastrophen, Autounfälle und der elektrische Stuhl, den Warhol als "typisch amerikanische Todesart" ansah. Neben dieser Reihe von Siebdrucken, die ab 1963 entstand, zeigt die Ausstellung die Serie der "13 most wanted men", der gesuchtesten Männer in den USA. Sie wird zum ersten Mal seit ihrer Entstehung komplett in einem Museum ausgestellt.

Die Werkschau solle Warhol "aus der Umarmung der Pop-Art" lösen, erklärte Kurator Heiner Bastian: "Wir stellen Warhol als bedeutendsten Chronisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar." Mit seinen Reproduktionen der Porträts von Film- und Medienstars wie Marilyn Monroe, Elvis Presley und Marlon Brando war der amerikanische Künstler schon zu Lebzeiten zur Legende geworden.

Den einzelnen Werken wurde im Rahmen der Retrospektive viel Raum gelassen. So nimmt zum Beispiel der riesige Siebdruck nach Leonardo da Vincis "Letztem Abendmahl" das gesamte Erdgeschoss der Nationalgalerie ein. Insgesamt werden 160 Bilder und 80 teilweise unveröffentlichte Zeichnungen des Künstlers gezeigt. Die Werke sind Leihgaben privater Sammler und des Museum of Modern Art in New York. Wegen der Terroranschläge in den USA hatte sich die Eröffnung der Ausstellung um vier Tage verzögert.

Die Werkschau in der Neuen Nationalgalerie wurde zwei Jahre lang vorbereitet und gehört nach Angaben der Kuratoren zu den international bedeutendsten Ausstellungsprojekten des Museums. Die Kosten lagen bei rund 2,5 Millionen Mark. Begleitend zur Ausstellung zeigt die Deutsche Kinemathek am Potsdamer Platz eine Reihe von Filmen, die Warhol mit seiner Kunstwerkstatt "Factory" gedreht hatte.

Andy Warhol - Retrospektive, Neue Nationalgalerie Berlin, 6. Oktober 2001 bis 6. Januar 2002

Mehr lesen über