Grußbotschaften Merkel schickt Redaktionen gleiche Glückwünsche
Angela Merkel: Die Kanzlerin plagiiert sich selbst
Foto: ReutersGuttenberg, Koch-Mehrin, Schavan - Plagiate besitzen in der deutschen Politik mittlerweile eine gewisse Tradition, an die regelmäßig angeknüpft wird: In diesen Tagen werfen Plagiatsjäger des Netzwerks VroniPlag Ursula von der Leyen vor, Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben.
Ein, tja, Plagiat der ganz anderen Art tauchte am Sonntag auf. Moritz Döbler, Chefredakteur des "Weser-Kuriers", twitterte ein Bild, das belegt: Angela Merkel plagiiert sich selbst. Konkret verschickte die Kanzlerin nahezu wortgleiche Glückwunschnachrichten an die Bremer Zeitung und an den Berliner "Tagesspiegel".
Unter anderem nimmt die Kanzlerin in beiden Botschaften darauf Bezug, dass die erste Ausgabe der jeweiligen Zeitung "nur wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs erschien". Auch bezeichnet die Kanzlerin beide Medien als "informative und verlässliche Begleiter des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschehens." Darüber hinaus besitzen Merkels Worte aber eine gewisse Finesse, die das Duplikat zumindest rudimentär verschleiern: So wurden die Ortsbezeichnungen (im Falle vom Berliner Tagesspiegel: "die alte und neue deutsche Hauptstadt", im Falle vom Weser-Kurier "in der Hansestadt Bremen und ihrem niedersächsischen Umland") angepasst.
Anschlussfragen stellen sich: Besteht eine von Merkels Tarnstrategien vielleicht darin, die Jubiläumsschriften immer historisch anzupassen? (Denkbare Wendung zum 25. Jubiläum etwa: "Nur wenige Monate nach dem Mauerfall".) Warum ist das Plagiat VroniPlag entgangen? Wie viele Grußbotschaftsplagiate kursieren wohl weiterhin unentdeckt?