Anna Nicole Smith: Langweiliges Luder-TV - DER SPIEGEL
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Anna Nicole Smith Langweiliges Luder-TV

Wer den Namen Anna Nicole Smith hört, denkt an ein fülliges Model mit Millionenerbe. Annas eigene Reality-Show wird daran nach Meinung der amerikanischen Presse nichts ändern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"The Anna Nicole Smith Show" war in den USA mit sehr viel Trubel angekündigt worden, obwohl die Hauptdarstellerin bisher eher zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Doch der amerikanische Sender "E!" verspricht sich viel von der pummeligen Blondine, nachdem ihm eine Dokumentation über das Leben und die Erbklage des Ex-Playmates Rekordeinschaltquoten beschert hatte. Seit Smith den 90-jährigen Milliardär J. Howard Marshall heiratete und das Ergebnis ihrer Brust-OP gewinnbringend vermarktet, geht von ihr eine ähnliche Faszination aus wie von deutschen Fernsehpromis wie Naddel und Verona. Solche Frauen will der Zuschauer aufsteigen, noch lieber aber fallen sehen.

Dazu hat der amerikanische Luder-Liebhaber bei Anna Nicole Smiths Reality Show seit Sonntagabend jede Menge Gelegenheit. Die Sendung ist dem amerikanischen Quotenhit "The Osbournes" nachempfunden, in der Skandal-Rocker Ozzy Osbourne und seine skurrile Familie ihr merkwürdiges Leben präsentieren. Mit dem Unterhaltungswert der MTV-Show kann "The Anna Nicole Smith Show" laut amerikanischen Presseberichten aber wohl kaum mithalten. Die Sendung sei billig, Anna sei trotz tief dekolletierter Bluse energielos und langweilig. "Es ist nicht überraschend, dass jemand, der nicht klug genug ist, uns die Rolle der trauernden Witwe zu verkaufen, nicht den gleichen Witz hat, der die Osbournes so interessant macht", urteilte die "New York Times".

Um das Erbe des verstorbenen J. Howard Marshall streitet Smith sich seit Jahren mit dessen Sohn. Ein kalifornisches Gericht hatte der 34-Jährigen 88 Millionen Dollar zugesprochen, doch von dem Geld hat Anna bis heute nichts gesehen. Verständlich also, dass sie die Einnahmen der neuen Fernsehshow dringend braucht.

In der ersten Folge erfüllte sie dann trotz anscheinend akutem Geldmangel das Bild des Luxusbabes. Der Zuschauer konnte Anna in einer Limousine auf dem Weg zu einer durchgestylten Hollywood-Party begleiten und zuhören, wie sie mit ihrem Begleiter über den Nahostkonflikt spricht und schließlich lacht: "Ach, ich sollte nichts darüber sagen! Ich weiß nichts über nichts!" Auch wenn die Witze auf ihre Kosten gehen, soll die Sendung anscheinend gar nicht lustig sein. "Es soll nicht witzig sein, es ist einfach", lautete der Slogan von "E!".

So weiß der Zuschauer wohl auch nicht, ob er lachen oder Mitleid haben soll mit der drallen Blondine, als sie auf dem Rückweg von der Party sagt: "Ich will eine Orgie feiern! Ich hatte seit zwei Jahren keinen Sex!" Schließlich geht sie dann doch allein ins Bett und auch hierhin folgt die Kamera ihr wie versprochen. Sex gibt es natürlich nicht zu sehen. Stattdessen ruft Smith ihren 16-jährigen Sohn an und räkelt sich seufzend und allein auf ihrem Kingsize-Bett: "Ach, wie ich Paparazzis liebe," sagt sie. Das glaubt man ihr ausnahmsweise gern.

Meike Werkmeister