Arabisches "Big Brother" gestoppt Begrenzung der Kampfzone
Die "Mutter aller Reality Shows" (Werbetext RTL2) ist inzwischen in aller Welt zu Hause. Auf der Bugwelle des Voyeurismus-Skandals konnte das rüde Format des holländischen Erfolgsproduzenten Endemol in ganz Europa landen. Amerika und Australien folgten. Selbst Südafrika fand bereits mehrmals Gefallen am munteren Lagerleben. Bis vor kurzem sah es so aus, als könne "Big Brother" auch im Mittleren Osten Fuß fassen.
"Real True Love" hieß der Vorbote des libanesischen Senders "Al-Hawa Sawa" (etwa: "Live und Zusammen"). Anfang Dezember letzten Jahres traten acht arabische Kandidatinnen aus verschiedenen Ländern unter den Augen der Zuschauer den Kampf um einen Ehemann an. Bäder und Schlafzimmer waren für die Kameras im Container tabu. Ebenso Alkohol, Zigaretten oder das Tragen kurzer Hemden und Hosen. Als Hauptgewinn lockte eine vom Sender arrangierte und bezahlte Hochzeit.
Nachdem die artige Schwester der großen Überwachungsshow im liberalen Libanon ohne größere Proteste über den Sender ging, löste das stärker am westlichen Vorbild orientierte und unter dem Original-"Big Brother"-Label ausgestrahlte Format auf dem Inselstaat Bahrein eine große Kontroverse aus. Der Satellitensender Middle East Broadcast Centre (MBC) startete seine "Big Brother"-Version am 20. Februar vorsichtshalber zu nachtschlafender Zeit. Zwölf Kandidaten - sechs Männer und Frauen - wurden in einer Villa auf Muharrak Island, der zweitgrößten Insel des Archipels, zusammen geführt.
Mit Rücksicht auf die islamische Tradition konnten sich Männer und Frauen nur in wenigen Bereichen des Hauses begegnen. Getrennte Schlafzimmer und eigene Gebetsräume gingen vielen Zuschauern aber nicht weit genug. Tausende Demonstranten, darunter verschiedene Frauengruppen protestierten wütend gegen die Show. Unverheiratete beim Zusammenleben zu präsentieren, beleidige den Islam, so der Hauptvorwurf.
Sieben islamistische Parlamentarier unterzeichneten eine Anfrage an den Informationsminister und verlangten eine Stellungsnahme von der Regierung. Der unter Druck geratene Sender entschied sich deshalb zu Beginn dieser Woche kurzfristig, die Show abzusetzen. Eine Sprecherin des Senders bedauerte den Skandal: "Wir möchten nicht Anlass für solche Kontroversen geben. Deshalb haben wir uns entschieden, die Produktion von 'Big Brother' zu beenden", sagte sie gegenüber BBC News Online. Die Sender-Verantwortlichen denken nun über eine Wiederaufnahme nach einem Relaunch des Formats nach.
Die Entscheidung wurde in Bahrein durchaus zwiespältig aufgenommen. "Die Mehrheit der Bevölkerung möchte, dass die Show weitergeht", so der liberale Politiker Dr. Mansour Al Urayyed. "Es ist tragisch. Eine ausgesprochene Minderheit hat ihre Sichtweise gegenüber einer schweigenden Mehrheit durchsetzen können", so ein anderes Parlamentsmitglied gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Al Samahyi, Tourismusexperte im Informationsministerium sorgt sich um "das Renommee Bahrains als tolerante Gesellschaft."
Zainab, eine 22-jährige Mitarbeiterin des Studios, das die arabische "Big Brother"-Show produziert hat, findet den Vorwurf, die Sendung habe islamische Traditionen verletzt, überzogen: "Warum soll es ein Skandal sein, wenn Frauen und Männer in voneinander getrennten Räumen leben?" fragt sie im Interview mit der Agentur AFP. Die Zustände im "Big Brother"-Haus seien auch nicht anders als die Gegebenheiten an den arabischen Universitäten. Hier lebten Männer und Frauen in voneinander getrennten Wohnbereichen und treffen in den allgemeinen Universitätsräumen aufeinander. Es sind halt keine Kameras dabei.