Architekturstreit: Libeskind verklagt Pächter von Ground Zero - DER SPIEGEL
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Architekturstreit Libeskind verklagt Pächter von Ground Zero

Vor zehn Tagen fand in New York die Grundsteinlegung des Freedom Towers auf Ground Zero statt. Verbaut ist allerdings jetzt schon eines: das Verhältnis von Lary Silverstein, dem Pächter des Geländes, und Stararchitekt Daniel Libeskind. Der soll um sein Honorar geprellt worden sein - und geht jetzt vor Gericht.
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New York - Offiziell geht es um 843.750 Dollar (682.015 Euro) - auf diese Summe beläuft sich das Honorar von Libeskind für seinen Plan zur Bebauung des 6,5 Hektar großen Areals auf Ground Zero. Larry Silverstein, New Yorker Immobilienmagnat und Pächter des Geländes, weigert sich, die Summe ohne einen Nachweis der gearbeiteten Stunden zu zahlen.

Für Beobachter ist Libeskinds Klage als Ausdruck wachsender Frustration über die Beschneidung seines Entwurfs und seiner Rolle beim Wiederaufbau auf Ground Zero zu sehen. Die "New York Times" wertete heute Libeskinds Verhalten als Auflehnung gegen den "Triumph des Kommerz über seinen Plan". In der Klageschrift von Libeskind und seiner Frau sowie einer Assistentin heißt es: "Silverstein gibt zwar vor, den Masterplan zu unterstützen. In der Tat aber torpediert er das Projekt immer dann, wenn er einen Konflikt mit seinen eigenen finanziellen Interessen zu sehen meint."

Der Rechtsstreit hat eine lange Vorgeschichte: Libeskinds futuristisches und symbolträchtiges Design für Ground Zero war als Sieger aus der Ausschreibung für das Modell des neuen World Trade Centers hervorgegangen. Doch innerhalb von Monaten bootete Silverstein den weltbekannten Architekten aus und übertrug die Bauleitung einem Mann seiner Wahl, dem New Yorker Architekten David Childs. Begründung für den Personalwechsel: Childs habe mehr Erfahrung im Bau von Wolkenkratzern.

Offiziell einigten sich Libeskind und Childs vor einem Jahr auf einen Kompromiss-Entwurf für das WTC-Kernstück, den so genannten Freiheitsturm. Doch in Interviews ließ der renommierte Architekt durchblicken, dass er sich mit dem neuen Plan nicht mehr identifizieren könne. Unterdessen stritt sich Silverstein vor Gericht mit den Versicherungsgesellschaften der zerstörten WTC-Zwillingstürme - ohne Erfolg. Seiner Forderung, dass der zweifache Terroranschlag vom 11. September 2001 auch die doppelte Entschädigung rechtfertige, wurde nicht stattgegeben.

Libeskind wartete nach Angaben seiner Frau den Ausgang des Versicherungsstreits ab und soll bisher "noch keinen Pfennig für seine Arbeit" am Freedom Tower erhalten haben. Dagegen erklärte Silversteins Sprecher, Howard Rubenstein, Libeskind habe "bereits viele Millionen Dollar" aus anderen Kassen erhalten, darunter von der New Yorker Verkehrsbehörde Port Authority. Ihr gehört das Grundstück, auf dem das alte World Trade Center stand. Allerdings hatte die Behörde den WTC-Komplex wenige Monate vor seiner Zerstörung am 11. September 2001 an Silverstein auf eine Zeit von 99 Jahren verpachtet.