ARD-Programm Hoffen auf den Schmidt-Rabatt
"Temporeiches, spontanes und witziges Fernsehen" hatte Moderator Markus Brock ("Landesschau", "Samstagabend") noch letzte Woche angekündigt. Der Gastgeber der neuen ARD-Talk- und Spielshow "Nachtisch" dürfte von der Quote ernüchtert sein, die das Live-Format zum gestrigen Start eingefahren hat. Lediglich 880.000 Zuschauer wollten Brock und Co-Moderatorin Mandana Naderian sehen. Der Marktanteil lag bei 8,8 Prozent. Die Arztserie "In aller Freundschaft", die bislang um 15.00 Uhr wiederholt wurde, hatte auf diesem Sendeplatz bislang 11,7 Prozent verbucht.
Zum TV-Pfarrer Fliege ließen sich noch weniger Gebührenzahler bekehren: 800.000 Menschen wolten die um eine Stunde auf 15.00 Uhr vorgezogene Sendung über den Medien-Geistlichen sehen, der diesmal zum "Pfarrertausch" ins sauerländische Olpe ausgezogen war. Der Marktanteil betrug 7,8 Prozent. Fliege hatte zuletzt auf seinem alten Sendeplatz um 16.00 Uhr im Schnitt 8,7 Prozent Marktanteil erzielt, was den Verantwortlichen jedoch zu gering gewesen war. Die Reihe "Abenteuer Wildnis" hatte vorher auf dem neuen "Fliege"-Sendeplatz rund elf Prozent Marktanteil verzeichnet.
Auch die um 16.00 Uhr neu eingeführte "Tagesschau" lockte nur wenig Zuschauer vor den Bildschirm. Laut ARD sahen 810.000 das Nachrichtenflaggschiff am Nachmittag, das entspricht einem Marktanteil von 7,5 Prozent. Bei den Wiederholungen von "Um Himmels Willen" mit Jutta Speidel und Fritz Wepper, die jetzt auf die "Tagesschau" folgen, sackte die Quote sogar auf 770.000 Zuschauer und einen Marktanteil von 6,5 Prozent ab.
ARD-Programmdirektor Günter Struve hingegen glaubt fest an den Erfolg der Serie und hofft auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. "Vielleicht wird Frau Speidel dann noch mal mit sich reden lassen", hofft Struve. "Sie ist sich nicht nur meiner Hochachtung, sondern auch meiner Demut bewusst." Die Schauspielerin hatte ihren Ausstieg aus der Serie erklärt.
Auch bezüglich einer dritten Harald-Schmidt-Sendung ist Struve optimistisch. Der Programmchef geht davon aus, dass eine zusätzliche Ausgabe des Late-Night-Talks pro Woche praktisch ohne zusätzliche Kosten zu haben ist. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass er einen dritten Tag für einen symbolischen Obolus machen würde", erklärte Struve der Illustrierten "Bunte". "Ob es ein Euro oder 100 sind, das will ich jetzt nicht untersuchen", so Struve. Für ihn stehe aber fest: "Drei Tage Schmidt wären besser als zwei. Das sieht er so, das sehen wir so." Verhandelt werde darüber im Sommer kommenden Jahres. Dann stehe die Verlängerung von Schmidts Vertrag an.