Ars Electronica Siegerehrung beim Kunstwichsen
Linz - Der 32-jährige Sieger sorgte bei der Eröffnung des Computerkunst-Festivals "Ars Electronica" für Amüsement: Der Raucher, der auch dem Alkohol nicht gänzlich abgeneigt ist, hat die Konkurrenz in Sachen Spermienqualität auf die hinteren Plätze verwiesen und damit wissenschaftliche Statistiken düpiert. In der umstrittenen Samenspende-Aktion "Sperm Race" wird die Fortpflanzungsfähigkeit von Freiwilligen getestet. Obwohl die Preisverleihung auf Wunsch anonym stattfindet, wagte sich der Gewinner in die Öffentlichkeit. Er nahm den Preis - eine Trophäe mit seinem kunstvoll eingearbeiteten Ejakulat - unter dem Schmunzeln der Eröffnungs-Besucher entgegen.
Mit diesem entspannten Auftakt sehen die Veranstalter die Aufregung um die ironische Kunstaktion überwunden. Im Vorfeld hatten Medien und Lokalpolitiker gegen das "Wett-Onanieren" und "Kunstwichsen" protestiert. Das Aufsehen erregende Projekt verweist auf das Festivalthema "Next Sex - Sex im Zeitalter seiner reproduktionstechnischen Überflüssigkeit". Unter diesem Motto beleuchten bis 7. September Kunstausstellungen und ein interdisziplinäres Symposion kulturelle und soziale Fragen, die sich aus den Möglichkeiten der Reproduktionstechnologie ergeben.
Bei dem Symposium diskutieren unter anderem der "Vater der Pille", Carl Djerassi, und der Biologe Randy Thornhill, der mit seiner Veröffentlichung "Eine Naturgeschichte der Vergewaltigung" für hitzige Debatten gesorgt hatte. Die künstlerischen Beiträge kommen unter anderen von der US-Künstlerin Natasha Merritt, die mit intimen Aufnahmen unter dem Titel "Digital Diaries" Furore machte.