Art Cologne Kunst ist Geld
Bei mehr als 500 Bewerbern hatte der Zulassungs-Ausschuss einer der wichtigsten Kunstmessen der Welt in diesem Jahr die Qual der Wahl. Er entschied sich für aufgeschlossene Aussteller wie die Galerie Neu aus Berlin oder Daniel Buchholz aus Köln und baute die Nachwuchsförderung aus, machte aber auch viele Zugeständnisse an die finanzkräftige und kaum wagemutige Käuferschaft.
Natürlich ist unbestritten, dass Traditionsgalerien wie Gmurzynska (Köln), Lelong (Paris) oder Haas & Fuchs (Berlin) sich mit ihren Picassos, Mirós, Rotschenkos und Kandinskys auf hohem Niveau bewegen - und dass sich die Messe mit dem erneuten Schwerpunkt "Köln Skulptur" und sperrigen Großplastiken durchaus aus dem Fenster lehnt. Und doch ist es streckenweise ermüdend, wieviel Vertrautes zu sehen ist - oder dessen Variation.
Hochwertige Fotografie haben die Veranstalter im Vorfeld versprochen, aber es scheint, als hätten Wegbereiter wie Thomas Ruff, Wolfgang Tillmans und Candida Höfer allzu viele Nachahmer gefunden. Während beispielsweise Tillmans (Buchholz, Köln) mit abstrakten Motiven bereits neue Wege geht, häufen sich bei seinen Epigonen sezierend-nüchterne Porträts, Blicke auf ungemachte Betten und seelenlose Industriegebäude.
Zur Auflockerung des etablierten Kunst-Parcours wurde in diesem Jahr 21 jungen Galerien die Hälfte des Standpreises von 11.000 Mark für 30 Quadratmeter erlassen. 21 jungen Künstlern wurde eine Einzelkoje zur Verfügung gestellt. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Galerien, die ihn bisher unterstützt haben, präsentiert der künstlerische Nachwuchs größtenteils Installationen.
Wer sich in Andreas Kaisers "Menschenfalle" (Galerie Seippel, Köln) hineinwagt, kann sich auf einer Liege ausstrecken und auf einem Monitor Messebesucher beobachten, während Andrea Knobloch (Galerie Mai 36, Zürich) mit Tapeten aus Anzeigenblättern und Lampen aus Lidl- und Aldi-Tüten die Wohnlichkeit der Warenwelt propagiert. Ein Highlight der Messe-Debütanten ist Marcel Dzama (Heller, Santa Monica) auf dessen ironischen Zeichnungen sich "The Glorified American Girls" als Knuddelmonster mit Schneckenohren und Quadratköpfen entpuppen und die prominenten Gäste des Hollywood-Hotels "Chateau Marmont" als Insekten eifrig das Licht umschwärmen.
Doch es gibt auch Messe-Routiniers, die erfrischend aktuell sind: Frank Bauer (Voss, Düsseldorf) setzt in seinen fotorealistischen "Nachtleben"-Malereien das Pop- und Partyvolk in Szene, während Cornelia Schleime neue Frauenbildnisse zeigt. An ihren großformatigen Acryl-Porträts, die Posen aus Modemagazinen nachahmen, herrschte bereits vor der offiziellen Eröffnung ein so reges Käuferinteresse, dass der Berliner Galerist Michael Schultz Nachschub aus dem Depot holen musste.
Dass der Rote-Punkte-Regen - wenn sie verkauft sind, bekommen die ausgestellten Objekte einen roten Punkt aufgeklebt - auch in der kommenden Messe-Woche beständig auf die Art Cologne niederprasseln wird, ist sicher. Der Dollar steht gut und der schwankende Euro lädt zu Hamsterkäufen ein. In diesem Sinne hat die Kölner Galerie Schüppenhauer das Motto werbewirksam und ironisch am Eingang ihrer Koje angebracht: Ben Vautiers Arbeit "art is money" leuchtet dort in knallig roter Schreibschrift.
Art Cologne. 34. Internationaler Kunstmarkt, vom 5. - 12. November in den Rheinhallen Köln-Deutz, tägl. von 11 bis 19 Uhr. Tageskarte 20 Mark, Katalog 28 Mark