Weltrangliste der Gegenwartskunst Zwei Schweizer hängen Ai Weiwei ab
Iwan and Manuela Wirth: "Die Idee, was eine kommerzielle Galerie sein kann"
Foto: John PhillipsSie ist das Who-is-who des Kunstbetriebs, und mit Iwan und Manuela Wirth stehen diesmal zwei Schweizer an der Spitze: Die neue "Power 100"-Liste des britischen Magazins "Art Review" ist erschienen. Auf der jährlich veröffentlichten Weltrangliste sind all die Künstler, Kuratoren, Galeristen, Händler und Museumsdirektoren versammelt, die in der Gegenwartskunst den Ton angeben.
Das Ehepaar Wirth ist ein weltweit operierendes Galeristen-Duo, das mit seinen museumsähnlichen Niederlassungen und einem kürzlich eröffneten Kunst- und Bildungszentrum auf einem Bauernhof im britischen Somerset "die Idee, was eine kommerzielle Galerie sein kann, erweitert" habe, erläutert "ArtReview"-Chefredakteur Mark Rappolt die Wahl.
Auf Platz zwei folgt der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei, auf Platz drei der deutschstämmige New Yorker Galerist David Zwirner. Der Vorjahreserste Nicholas Serota, Chef der Tate Britain in London, liegt auf dem fünften Rang. Das Ranking wird von einer anonymen internationalen Jury erstellt.
Traditionell sind auch viele Deutsche auf der Liste, die vor allem den Einfluss berücksichtigt, den die Kunst-Akteure haben. Von den deutschen Künstlern liegt der Fotograf Wolfgang Tillmans am höchsten und erklomm Platz elf. Gerhard Richter, der regelmäßig die Künstlerrangliste "Kunstkompass" anführt, fiel von Platz 16 auf Rang 27 zurück. Weitere deutsche Vertreter in den "Power 100" sind etwa die Künstlerin Isa Genzken (31), die Galerien Sprüth/Magers (13) und Esther Schipper (79), der Direktor der Neuen Nationalgalerie in Berlin, Udo Kittelmann (60), sowie Klaus Biesenbach (62), Direktor der New Yorker Kunsthalle MoMA PS1, der mit seiner Björk-Show im Haupthaus in diesem Jahr bei den Kritikern gewaltig floppte. 2014 war er noch auf Rang 27 aufgeführt.
Die Top 5 der Kunstwelt:
1. Iwan und Manuela Wirth
Das Schweizer Galeristenpaar Iwan und Manuela Wirth operiert weltweit. Iwan Wirth ist Präsident von Hauser und Wirth, einer Galerie für zeitgenössische Kunst in Zürich. Er gründete sie im Jahr 1992 mit der Sammlerin Ursula Hauser und deren Tochter Manuela, seiner heutigen Frau. Hauser und Wirth vertreibt auch Bücher aus dem Kunstbereich.
2. Ai Weiwei
Ai Weiwei ist Chinas berühmtester zeitgenössischer Künstler und Regimekritiker. Wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen saß er 81 Tage in Einzelhaft, stand danach zunächst unter Hausarrest. Inzwischen hat er seinen Pass zurück. Er bekam ein Dreijahresvisum für Deutschland und tritt bald eine Gastprofessur in Berlin an.
3. David Zwirner
Der in Köln geborene Amerikaner David Zwirner gilt als einer der mächtigsten Männer im internationalen Kunsthandel. Er besitzt Gallerien in New York City und London. Der 50-Jährige wurde in das Geschäft hineingeboren: Schon sein Vater Rudolf war Kunsthändler. 1993 eröffnete Zwirner in Manhattan seine erste Galerie, später expandierte er nach Uptown. Er möchte Weltmarktführer werden in Sachen minimalistischer Kunst.
4. Hans Ulrich Obrist & Julia Peyton-Jones
Der Schweizer Hans Ulrich und die Engländerin Julia Peyton-Jones leiten die Serpentine Gallery in London. Obrist gilt als einflussreichster Kurator der Gegenwart. Peyton-Jones begann ihre Karriere 1988 als Kuratorin der Hayward Gallery, im Jahr 2003 wurde sie mit dem Verdienstorden des britischen Empire ausgezeichnet.
5. Nicholas Serota
Nicholas der Serota ist seit 1988 Chef des Tate-Museumverbunds in London, zu dem mit der Tate Modern das größte und weltweit meistbesuchte Museum zeitgenössischer Kunst gehört. Im vergangenen Jahr hatte er auf der "ArtReview"-Rangliste den ersten Platz belegt.