Ausstellungen: Gerwald Rockenschaub - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ausstellungen Gerwald Rockenschaub

In den achtziger Jahren galt er als Star der Neo-Geo-Malerei. Heute hat der Österreicher mit Techno-Installationen Erfolg.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Er hatte großen Erfolg. Damals, Mitte der achtziger Jahre, war Gerwald Rockenschaub einer der Stars der inzwischen längst wieder vergessenen Neo-Geo-Malerei. Und dann auf einmal, 1987, soll er alles hingeschmissen haben. Wegen der Musik. Wegen House Music, Acid und Techno. Rockenschaub war DJ geworden.

Tatsächlich legt der in Berlin lebende Rockenschaub, 48, noch heute Platten auf. Professionell sogar und gar nicht schlecht. Aber seine Existenz als Künstler hat er trotzdem nie drangegeben. Nur: Er hat damals beschlossen, keine Bilder mehr zu malen und stattdessen Installationen zu bauen. "Das war", sagt Rockenschaub heute, "für den Kunstmarkt ziemlich schwierig." Was nichts anderes heißt als: Kaum jemand wollte seine Kunst noch kaufen.

Rockenschaub wollte etwas radikal Neues machen ­ und er konnte es sich leisten. Mit seiner Malerei hatte er genug Geld verdient. "Ich wollte industriell arbeiten, poppiger und knalliger. Wie in der Musik, wo DJs mit vorgefertigtem Material Neues komponieren." Er tauschte Farbe gegen Plexiglas, PVC und manchmal sogar gegen Baugerüste. Seine Installationen, Objekte und Bilder entwickelte er am Computer.

Dort entstehen auch heute noch Bilder mit abstrakten Zeichen und Mustern, die oft an die Logos der Technoszene erinnern oder manchmal die Kunstgeschichte zitieren. Er druckt sie auf Farbfolien und klebt sie auf Aluminium. Nichts Handgemachtes mehr. Oder er entwirft aufblasbare Wände, kissenartige, bunte PVC-Polster und durchsichtige Würfel. "Meine Kunst lebt nicht vom Bombast, sondern von Kraft und Intensität", sagt Rockenschaub.

1993, während der Biennale in Venedig, ließ er die Besucher auf einem Gerüst durch den österreichischen Pavillon wandeln. In Wien, wo er derzeit in der Bawag Foundation ausstellt, versperrt er den Besuchern mit riesengroßen, luftgefüllten, transparenten PVC-Objekten den Weg ­ die dahinter liegenden Räume sind nur wie durch einen Nebel zu erahnen. Ein ironischer Kommentar zur Architektur? Ironie sei das nicht. Eher ein Augenzwinkern, sagt Rockenschaub ­ oder vielleicht auch nur eine kleine Absurdität.

Den Traum von einer Kunst, die soziale Wirklichkeit mitgestaltet, träumt Rockenschaub nicht. Auch an das allseits erträumte Crossover von Kunst und Club-Kultur will er nicht glauben ­ obwohl er in seiner Arbeit als Künstler von seinen Erfahrungen als DJ profitiert. "Das sind", sagt der Künstler, "trotzdem zwei völlig unterschiedliche Bereiche: In der Musikszene gibt es die schöneren Frauen und die besseren Anzüge." Rockenschaub trägt übrigens Prada.

Ingeborg Wiensowski