Ausstellungen: Rineke Dijkstra - DER SPIEGEL
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Ausstellungen Rineke Dijkstra

An Stränden, in Discos und auf Krankenhausfluren sucht die niederländische Fotografin das Wahre, das Gute ­ und das Hässliche. VON INGEBORG WIENSOWSKI
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie in Trance steht sie da. Fast nackt, nur mit einem Krankenhausslip aus Papier bekleidet. Presst ihr Baby an sich, das sie gerade erst vor einer Stunde geboren hat, und sieht uns an. Müde, abgekämpft und so, als ob sie noch nicht ganz begriffen hat, was mit ihr geschehen ist.

Die Kritikerin des Londoner "Observer" war empört, nachdem sie das Bild der Fotografin Rineke Dijkstra, 40, in einer Ausstellung beim britischen Kunstsammler Charles Saatchi entdeckt hatte: "Ein widerliches Foto! Warum nur hat Saatchi dieses Foto gekauft? Er wird es schnell wieder vergessen ­ wie wir alle."

Sie irrte, das Foto von "Julie" ist inzwischen eines der bekanntesten der Niederländerin, die in ihren Bildern auf Posen und auf Künstlichkeit verzichtet, stattdessen sucht sie nur Wahrheit, auch wenn sie manchmal hässlich ist ­ kein Stoff für Voyeure.

Begonnen hat Dijkstra ihre Karriere als Auftragsfotografin für Magazine, nebenbei arbeitete sie auf Reisen an ihrer Porträt-Reihe "Beaches". An Stränden in den USA und in Europa fotografierte sie mit ihrer sperrigen Plattenkamera Jugendliche. Am Strand präsentieren sich die Jungen und Mädchen ohne ihre schützende Kleidung ernst und ohne Koketterie. Der linkisch aussehende Junge aus Odessa in altmodischer Badehose, das amerikanische Mädchen mit rot lackierten Fußnägeln und in missglückter Starpose. Die Verlegenheit der Jugendlichen beim Posieren und ihre Unbeholfenheit gegenüber der Kamera ­ das ist es, was Dijkstra als ehrlich empfindet.

Vier Jahre später stellte sie 20 Aufnahmen aus der "Beaches"-Serie in Amsterdam aus und fehlt seitdem in keiner bedeutenden Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst.

Ungewöhnliche Projekte aber verfolgt sie weiter: In Portugal fotografiert sie junge Stierkämpfer ­ aber nicht in Heldenpose, sondern nach dem Kampf, wenn sie zerzaust und abgekämpft aus der Arena kommen. Und vor ein paar Jahren entdeckte sie in Liverpool eine kleine Diskothek namens "Buzz". DJs gratulieren dort ihren Gästen zum Geburtstag oder rufen Teenager zur Tür, weil draußen die Väter auf sie warten. "Eine wunderbare Atmosphäre ­ ich habe mich sofort verliebt", sagt Dijkstra.

Seitdem kehrt sie immer wieder ins "Buzz" zurück, baut in einem Nebenraum ihre Videokamera auf und lässt die Teenager dort tanzen. Im neutralen Studio zeigt sich plötzlich die Unsicherheit und Verletzlichkeit von jungen Menschen, die auf der Suche nach Persönlichkeit sind. Widerlich oder empörend sind die Videos nicht. Und Saatchi sammelt immer noch die Fotos von Rineke Dijkstra. Ingeborg Wiensowski



Ausstellung: "How you look at it". 14.5.­6.8. (siehe Hannover).

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