Autounfall Helmut Newton ist tot
Los Angeles - Nach Angaben einer Polizeisprecherin verlor der 83-Jährige gestern Mittag (Ortszeit) die Kontrolle über sein Fahrzeug, als er das bekannte Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard verlassen wollte. Augenzeugen zufolge beschleunigte das Auto und raste auf der gegenüberliegenden Straßenseite in eine Wand. Newton wurde in das Cedars-Sinai Medical Center gebracht, wo er wenig später seinen schweren Verletzungen erlag. Weitere Personen wurden nicht verletzt. Die Unfallursache wird noch untersucht.
Der aus Berlin stammende Fotograf wurde vor allem mit seinen Mode-, Porträt- und Aktfotos bekannt. Seine eigenwilligen und manchmal auch schockierenden großformatigen erotischen Frauenbilder - wie die "Big Nudes" - werden von Museen in aller Welt gezeigt. Seine Aufnahmen erschienen in Magazinen wie Vogue, Elle und Playboy. Er porträtierte Persönlichkeiten wie Kanzler Gerhard Schröder, Claudia Schiffer und Pierre Cardin. Im vergangenen Oktober überließ er der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin eine umfassende Fotosammlung, die in der ehemaligen Kunstbibliothek am Bahnhof Zoo untergebracht werden soll.
Feministinnen wie Alice Schwarzer warfen Newtons Bildern Frauenfeindlichkeit vor, weil sie voyeurhaft seien und die Frauen erniedrigend darstellten. Der Künstler selbst meinte, er zeige Frauen nur als starke Persönlichkeiten und nie als Opfer. Mit seiner Frau June, die er 1948 heiratete, arbeite Newton eng zusammen. Sie stand ihm anfangs Modell, wurde dann aber unter dem Künstlernamen Alice Springs selbst als Fotografin bekannt. Das Paar hatte keine Kinder.
Newton, Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten und einer Amerikanerin, war 1938 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland zunächst nach Singapur geflohen. Später ging er nach Australien, wo er auch Staatsbürger wurde. Seit den fünfziger Jahren lebte er mit seiner Frau in Paris und Monte Carlo.