"AutoWerke"-Ausstellung: Verwirrte Navigationssysteme - DER SPIEGEL
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"AutoWerke"-Ausstellung Verwirrte Navigationssysteme

Blitzblanke Fabrikhallen und glänzender Autolack: BMW rekrutierte 20 renommierte Fotografen für eine ebenso ehrgeizige wie anspruchsvolle Werbekampagne. Die Kunstausstellung "AutoWerke" zeigt das Ergebnis.
Von Sabine Danek
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Thomas Struth, Candida Höfer und Wolfgang Tillmans sind nur einige der Szenestars, die im Auftrag von BMW zwei Jahre lang zwischen den Produktionsstätten des Autoherstellers hin und her reisten, in Firmenphilosophie und Interna eingeweiht wurden - und das Thema "Mobilität" belichteten.

Dass auf diesem schmalen Grad zwischen Auftragskunst und Werbefeldzug keine vordergründige PR-Kampagne entstanden ist, liegt vor allem an der Freiheit, die der Auftraggeber den Künstlern gewährte. Motivwahl und Umsetzung blieben offen - und die Fotografen blieben ihrem Stil treu. Bei der nun eröffneten "AutoWerke"-Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen sind Video- und Foto-Installationen zu sehen, Porträts und Reportagefotografien, Landschaftsaufnahmen und Stadtansichten. Thomas Struth reiste in den Yosemite-Nationalpark und beobachtete die Autotouristen, Wolfgang Tillmans blieb auf dem Firmenparkplatz, um regennassen Autolack zu fotografieren, und Johannes Muggenthaler verwandelte die italienische Rennstrecke "Mille Miglia" in ein Road-Movie aus Standbildern.

Doch die Bilder lernten auch laufen: Nina Fischer & Maroan el Sani zeigen in ihrem Film "Alle Wege führen nach Rom", wie sie ein Navigationssystem überlisten und dazu bringen, nicht von A nach B, sondern abstrakte Muster zu fahren, während Heike Baranowsky in ihrer Videoarbeit "Hase und Igel" einen Radfahrer zu einem aussichtslosen Rennen antreten lässt. Andere Fotografen setzten weniger auf die Mobilität. Sie betrieben Sozialforschung und stellten den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten: Glenn Ligon porträtierte die schwarzen Arbeiter in Spartanburg, North Carolina, Rineke Djikstra die Jugendlichen eines Münchner Ausbildungsprogramms - und Todd Eberle ging sogar in den Wohnungen der BMW-Designer auf Spurensuche. Zwischen Ikea-Möbeln, improvisiertem Junggesellen-Schick und aufgeräumter Wohnzimmer-Idylle ist dort allerdings nicht viel von den Visionen zu spüren, die die Automobil-Phantasten an ihrem Arbeitsplatz entwickeln.

Bei aller thematischer Vielfalt und Abstraktion ist dennoch offensichtlich, dass sich die werbewirksame BMW-Selbstdarstellung wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht. Selbst wenn der Ire Paul Seawright, der mit der Polizei von Johannesburg zwei Wochen lang Streife fuhr, harte Töne anschlägt - er dokumentierte die Brutalität des dort grassierenden Carnappings -, liest man im Kleingedruckten, dass BMW der Polizei in Südafrika zwecks Bekämpfung der Gauner eine Autoflotte zur Verfügung gestellt hat.

Klar, dass diese glitzernde, anspruchsvolle und moderne Fotoschau genau in das Herz der BMW-Kundschaft trifft - einen effektiveren Firmenanstrich kann man sich wohl kaum verleihen. Aber wer sonst finanziert heute noch ein Kunstprojekt, das sich über mehrere Jahre erstreckt und zwei Millionen Mark verschlingt? Schon lange haben Wirtschaftskonzerne die Rolle adliger Fürstenhäuser übernommen, die zu früheren Zeiten als Auftraggeber zeitgenössischer Kunst ins Rampenlicht traten. Der Werbe-Effekt sei den bayrischen Autobauern also gegönnt.

"AutoWerke - Europäische und amerikanische Fotografie 1998 - 2000": Hamburger Deichtorhallen, Deichtorstr. 1-2, bis 4.2.2001