Baustelle Ground Zero Neue Nachbarn für den Freedom Tower
New York Das Datum war medienwirksam gewählt: Knapp drei Tage vor dem fünften Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center stellten drei Architekten ihre Entwürfe für drei neue Hochhäuser vor. Zum ersten Mal kann die Öffentlichkeit sich nun ein Bild davon machen, wie Ground Zero, die riesige Narbe mitten in Manhattan, einmal aussehen wird. Denn das Gelände der zerstörten Zwillingstürme ist immer noch eine große Baustelle, auf der es nur langsam vorangeht. Lediglich mit dem Bau des Freedom Towers, der das World Trade Center ersetzen soll, wurde bereits begonnen.
Die Entwürfe der Briten Norman Forster und Richard Rogers und des Japaners Fumihiko Maki fügen sich in den von Daniel Libeskind entwickelten Gesamtplan. Zusammen mit dem Freedom Tower sollen die drei Gebäude rund um die Gedenkstätte ein Ensemble in Form einer Spirale bilden, bei dem jeder der Türme etwas niedriger ist als der benachbarte. Mit 411, 382 und 288 Metern werden die drei Häuser zu den höchsten Bauten New Yorks gehören und sollen der Skyline ein neues Gesicht geben. Der höchste Wolkenkratzer wird aber immer noch kleiner sein als der Freedom Tower mit seinen 541 Metern, dessen endgültige Gestalt von dem US-Architekten David Childs entworfen wurde.
Kein Turm gleicht dem anderen
Fosters Bau, der so genannte "Turm 2", sieht wie ein Bündel von vier schlanken Türmen aus, die jeweils mit einem Dach in Rautenform abschließen, das nachts über Manhatten leuchten soll. Die Rauten sollen auf die Gedenkstätte ausgerichtet sein, so Foster. "Egal, von wo aus man auf den Turm blickt: Er wird einem zeigen, wo der Gedenkpark liegt." Das Hochhaus soll 411 Meter hoch sein und 78 Stockwerke haben.
Rogers "Turm 3" zeichnet sich durch diagonale Streben an den Außenseiten und vier lange Antennen auf den Ecken des Dachs aus. Das schlanke Gebäude wird wird 382 Meter (71 Stockwerke) hoch sein. Makis Gebäude, das kleinste mit 288 Metern und 61 Geschossen, erinnert am stärksten an die Zwillingstürme. Ein minimalistisches Hochhaus. Alle drei Gebäude sollen mehrere Stockwerke mit Geschäften bekommen, um Besucher in das südliche Manhattan zu locken. Außerdem sind große Handelsräume vorgesehen, um Mieter aus der Finanzbranche anzuziehen.
Architekt Libeskind, der den Gesamtplan für die Bebauung des Geländes entwarf, zeigte sich zufrieden mit den Entwürfen der Star-Architekten: "Die Silhouette mit den neuen Gebäuden wird genauso aussehen, wie der Plan es vorsieht." Ihm gefalle, dass jedes Gebäude anders ist. Er habe nie einen Platz gewollt, an dem alle Gebäude gleich aussehen.
Von Libeskinds Ideen ist nur wenig geblieben
Dabei war es für Libeskind von Anfang an nicht einfach. Der Baubeginn verzögerte sich von Jahr zu Jahr. Der 2004 gelegte Grundstein musste vor kurzem wieder ausgegraben werden wegen neuer Sicherheitsbedenken. Zwölf Meter weiter westlich soll der 20 Tonnen schwere Granitstein nun vergraben werden. Libeskinds ursprünglicher Bebauungsplan wurde vom verantwortlichen Baumeister des Freedom Towers, David Childs, immer wieder verändert, nahezu bis zur Unkenntlichkeit. An Libeskinds Plänen wurde immer wieder kritisiert, seine Ideen sähen nicht genug Büroflächen vor. Ursprünglich hatte er eine 221 Meter hohe Kristallspirale, die auf einem rund 320 Meter hohen Bürohaus sitzt, geplant. An den ausgestreckten Arm der Freiheitsstatue sollte die Spirale erinnern. Libeskind hatte hängende Gärten, Aussichtsplattformen und ein Restaurant vorgesehen.
Von den Ideen ist wenig geblieben. Statt hängenden Gärten gibt es ein Windkraftwerk made in Germany. "Der unglaublich schrumpfende Daniel Libeskind" titelte die New York Times als die Entwürfe des Architekten Schritt für Schritt verworfen wurden. Das Verspielte fiel der Sicherheit zu Opfer Stahl statt Glas war der neue Tenor. Unverändert blieb nur die Höhe: 1776 Fuß. Eine symbolträchtige Zahl, die an das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten erinnern soll.
Ein Problem wird es sein, Mieter für den Turm zu finden. Experten meinen, die Büroräume könnten wegen der verkehrstechnisch ungünstigen Lage schwer zu vermieten sein. Auch befürchtet man, dass viele Firmen aus Angst vor weiteren terroristischen Anschlägen davor zurückschrecken, in das Gebäude einzuziehen.
Mit dem Bau des Freedom Towers wurde am 11. September 2004 begonnen, der Turm soll bis 2008 fertig sein. Erst dann wird voraussichtlich mit dem Baubeginn der gestern vorgestellten Hochhäuser zu rechnen sein. Sie sollen bis 2012 fertig sein und die Lücke in der New Yorker Skyline schließen. Vier Jahre Bauzeit - kein Vergleich zum Empire State Building, das 1929 innerhalb von 13 Monaten hochgezogen wurde.
nkl/Reuters/dpa/AP