Bayreuth Auch Waltraud Meier verlässt den "Grünen Hügel"
Bayreuth - Die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele sind von einem spektakulären neuen Sänger-Krach erschüttert worden: Nach dem kurzfristigen Rückzug des langjährigen Bayreuth-Mitwirkenden Hans Sotin unmittelbar vor der Eröffnungsvorstellung mit "Parsifal", kündigte nun auch die weltweit erfolgreiche und begehrte Sopranistin Waltraud Meier ihren Abschied vom Grünen Hügel nach 17 Jahren an.
Die aus Würzburg stammende Sängerin, in der Rolle der Sieglinde meistumjubelter Star der "Walküre"-Premiere vergangene Woche, übte im "Nordbayerischen Kurier" scharfe Kritik an der Festspielleitung: "Ich schaue diesem Treiben schon seit einigen Jahren fassungslos und traurig zu. Es wird von Mal zu Mal schlimmer."
Auslöser der Rücktritts-Entscheidung Meiers ist nach ihrer Darstellung die Weigerung der vom Komponisten-Enkel Wolfgang Wagner geführten Festspielleitung, eine kurzfristige Überschneidung der Verpflichtungen Meiers im kommenden Jahr zwischen einem Auftritt bei den Münchner Festspielen und einem erneuten Auftritt in der Bayreuther "Ring"-Oper "Die Walküre" zu akzeptieren. Meier kündigte auch den Rückzug ihres "Walküre"-Partners Placido Domingo von den Wagner-Festspielen 2001 an: "Vermutlich wollte man gleich das ganze Wälsungenpaar los werden."
Die beim Publikum der Festspiele seit ihrem Debüt auf dem Grünen Hügel 1983 außerordentlich beliebte Sopranistin bezeichnete in dem Interview Bayreuth als "meine musikalische Heimat", für die sie "über viele Jahre alles ausgeschlagen habe, nur um hier sein zu können".
Meier kritisierte insbesondere auch das Verhalten Wolfgang Wagners gegenüber ihrem Lehrer und Kollegen Hans Sotin: "So jemand lässt man einfach nicht gehen." Auch eine Warnung in Richtung der Institution Richard-Wagner-Festspiele gab sie ab: "Sich auf der Tatsache auszuruhen, dass jede Karte ohnedies zehnmal verkauft werden könnte, ist der falsche Standpunkt! Auf diesem hohen Ross ist Bayreuth nicht mehr!"