Bayreuth: Kontinuität durch Kompromiss - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bayreuth Kontinuität durch Kompromiss

Fortschritt im zähen Streit über die Bayreuther Festspielleitung: Klaus Schultz, Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters, soll die Festspiel GmbH zunächst gemeinsam mit Wolfgang Wagner leiten. Gelöst ist die ewige Nachfolge-Frage damit aber noch lange nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bayreuth - Stiftungsrat und Festspielleiter Wolfgang Wagner haben sich auf einen vorläufigen Kompromiss geeinigt. Klaus Schultz werde ab Januar als freier Mitarbeiter gemeinsam mit Wagner die Festspiele leiten, sagte der Vorsitzende des Stiftungsrates, Josef Erhard, am Mittwoch in Bayreuth.

Allerdings stelle Schultz nur eine Übergangslösung dar. Wagner selbst bezeichnete Schultz als einen Mann seines Vertrauens. Hauptgeschäftsführer werde weiterhin Wagner selbst bleiben, bis er sich zur Aufgabe seines Postens entscheide oder diesen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben könne, ergänzte Erhard. Im Falle eines Rücktritts Wagners werde der Stiftungsrat erneut über die Nachfolge entscheiden; Vorrang habe dabei nach wie vor eine Mitglied der Familie Wagner.

Vorausgegangen war ein jahrelanger Zwist zwischen dem 82-jährigen Wagner auf der einen und dem Stiftungsrat sowie dem bayerischen Kultusministerium auf der anderen Seite. Wagner hatte vor rund drei Jahren angekündigt, die Leitung abgeben zu wollen, und zugleich die Übergabe der Geschäfte an seine Frau Gudrun favorisiert.

Der Stiftungsrat hatte dies abgelehnt und Wagners Tochter Eva Wagner-Pasquier als Nachfolgerin vorgeschlagen. Da sich Wolfgang Wagner jedoch mit seiner Tochter überworfen hat, stieß dieser Vorschlag bei ihm auf Ablehnung. Der 82-Jährige hat ein lebenslang verbrieftes Anrecht auf die Leitung der Festspiele und kann seinen Posten somit nur freiwillig räumen.

"Die Kontinuität und die Sicherheit der Wagner-Festspiele sind damit gesichert", kommentierte Erhard die Entscheidung vom Mittwoch. Schultz sei "eine kompetente Persönlichkeit", die mit dem Werk Richard Wagners seit langem vertraut sei.