Becker-Festspiele auf ProSieben: Advantage Bobbele - DER SPIEGEL
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Becker-Festspiele auf ProSieben Advantage Bobbele

Er schwärmt vom Geschmack schwarzer Frauen und verrät, warum er sich die Haare färbt: Gestern debütierte Tennis-Rentner Boris Becker auf ProSieben mit seinem Porträt-Format "Boris Becker meets...". Gast und Ex-Rivale John McEnroe hatte beim Plauder-Duell allerdings das Nachsehen.
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ProSieben entwickelt sich zusehends zum Austragshäusl für Sportlegenden, die ihre Karriere-Höhepunkte in den achtziger Jahren feierten: Nachdem die Ex-Eiskunstläuferin Katarina Witt am 13. Dezember die zweite Runde ihrer B-Promi-Revue "Stars auf Eis" eingeleitet hatte, durfte sich diese Woche Tennis-Rentner Boris Becker als Veranstalter und Teilnehmer eines Seniorenturniers namens "McFit Masters of Legends" produzieren. Das in Düsseldorf als Länderwettkampf inszenierte Aufeinandertreffen populärer einstiger Widersacher wie Henri Leconte, Anders Jarryd und eben Becker wurde unter so viel Pseudo-Wettkampf-Getue so hochnotpeinlich ausgeweidet, dass dem Münchner Sender – bekanntlich auch Ausrichter von Veranstaltungen wie "Raab vs. Halmich" – wohl auf lange Sicht unangefochten Platz eins in der Disziplin "Erfindung sportlicher Parallelwelten" gebührt.

In der Mätzchen-Show der mittelalten Männer drohte ein anderes Programm-Element fast unterzugehen, das man doch künftig als Reihe etablieren möchte: "Boris Becker meets…" heißt das neue Personality-Format, dessen erste Folge gestern fast verschämt um 16 Uhr ausgestrahlt wurde. Erster Gast der mit Werbung einstündigen Porträt-Unternehmung: Beckers früherer Rivale und heutiger Schicksalsgenosse als multifunktionaler Medienstar, John McEnroe. Beim McFit-Wiedersehen am Mittwoch hatte der 48-jährige US-Amerikaner den gerade 40-jährigen ewigen Leimener bereits bezwungen, nun wurde das Filmdokument einer 24-stündigen Begegnung der beiden in New York angekündigt.

Zur Eröffnung hatte die Dramaturgie eine kleine "Sie haben sich verpasst"-Posse vorgesehen: "Wir bewegen uns in SoHo, dem Künstlerviertel im Herzen von New York", dozierte da der beim Spazierengehen gefilmte Becker ("links und rechts auf dieser Straße sind Galerien und Kunst-Agenturen"), während sich McEnroe gerade per Taxi in seinen Heimatbezirk Queens fahren ließ. "Das Problem ist nicht der Verkehr, sondern die Kommunikation zwischen den Tennis-Legenden", verhieß treuherzig der Off-Kommentar. Doch schließlich fanden sich die beiden noch.

Erst ging's zum Nostalgie-Match auf den Platz in McEnroes erstem Tennisclub, dann zur Besichtigung seines Jugendhauses (Becker: "Ich seh's an seinen Augen, er ist schwer bewegt") und zum Gig ins Waldorf-Astoria, wo Hobby-Musiker McEnroe mit der Band seiner zweiten Ehefrau Patty Smyth eine hübsch schräge Punkversion von "What a wonderful World" auf der Gitarre schrammelte.

"Once you go black, you never go back"

Zwischendurch gab es routiniertes Buddy-Geplänkel, viel Schulter- und Sprüchegeklopfe. Eingebaute "Spiel, Satz und Sieg"-Schnipsel dokumentierten McEnroes Karriere-Höhepunkte, und man erfuhr, dass auch der berüchtigte Racket-Rüpel längst gutes Werbegeld mit seinem Image macht: Insbesondere die Vermarktung seiner berüchtigten Schiedsrichter-Anmache "You cannot be serious" ist als Slogan sehr gefragt. Höchst selten jedoch gelang es den beiden Ex-Sportlern und heutigen Selbstvermarktern, die Smalltalk-Ebene zu verlassen. Ein ernsthaftes Gespräch unter ehemaligen Top-Athleten über Motivation, Leistungsdruck und das Loch nach dem Karriereende? An die theoretische Möglichkeit eines solchen musste man sich selbst erinnern, so fern lag es in diesem Film.

Noch am nächsten kamen sich die beiden beim Besuch der "John McEnroe Gallery", wo Becker ein Warhol-Bild von McEnroe und dessen erster Frau Tatum O'Neal bestaunte – sowie eine Oben-Ohne-Zeichnung von Kate Moss. "Sieht total echt aus", konstatierte da der Weltenbummler aus Leimen – "du musst es wissen", returnierte McEnroe. "Ich bin positiv überrascht", bilanzierte Becker schließlich seine Eindrücke von der Freizeitgestaltung des umtriebigen Kunstsammlers und Rock'n'Rollers McEnroe, denn "viele in seiner Situation spielen am Wochenende Golf oder fangen mittags schon mit dem Bier an."

In der letzten Interview-Runde – schnelle, direkte Fragen bei gleichzeitigem gegenseitigem Anfertigen von Strichmännchen-Skizzen – wurde das Ganze dann endgültig zum Ausflug eher in Bobbeles Welt denn in die McEnroes. Da gab Becker zunächst das Geheimnis seiner Vorliebe für dunkelhäutige Frauen preis – "Once you go black, you never go back", erklärte er kundig dem staunenden Kollegen – und enthüllte: "Ja, sie schmecken anders. Ich persönlich mag den Geschmack, den Geruch." Und McEnroe legte in derselben Liga nach: "Du hast so schöne rote Haare, warum färbst du sie?", wollte er wissen. Beckers Antwort klang bestechend: "Mein Haar verändert sich mit den Jahreszeiten. Im Sommer wird es durch die Sonne weiß, und im Winter ist es fast braun. Beim Fernsehen wollen die Leute, dass du immer gleich aussiehst, deshalb färbe ich die Haare."

Da ist man doch gespannt, was die nächste Folge noch für bahnbrechende Erkenntnisse bringen kann: Am 30.12. läuft "Boris Becker meets… Wladimir Klitschko".