"Beckmann": Perfekte Show der Fanta-Vier - DER SPIEGEL
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"Beckmann" Perfekte Show der Fanta-Vier

Eine Woche waren sie abgetaucht, nun saßen sie zum Talk bei "Beckmann" in der ARD: Die vier SPD-Rebellen, die Ypsilantis Regierungsträume platzen ließen, wirken mit sich im Reinen. Und einer ist bereits auf Gabriele-Pauli-Kurs.
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Hessen-Drama in der ARD, zweiter Teil. Am Sonntagabend hatte noch Andrea Ypsilanti in kurzen Einspielern bei "Anne Will" um das Verständnis des deutschen Fernsehpublikums werben dürfen. Am Montagabend nun sind ihre vier Gegenspieler an der Reihe, bei "Beckmann".

Es ist ein ungleiches Duell, die Rollen sind längst klar verteilt: Ypsilanti ist die Böse, die Abweichler die Guten.

SPD-Rebellen bei Reinhold Beckmann: "Total unwohl"

SPD-Rebellen bei Reinhold Beckmann: "Total unwohl"

Foto: NDR

"Es sind die SPD-Rebellen", begrüßt Beckmann das Quartett. Es klingt, als kündige er eine bekannte Band an. Die vier sitzen da in der gleichen Aufreihung wie bei der Pressekonferenz vergangene Woche: Dagmar Metzger, Jürgen Walter, Silke Tesch, Carmen Everts. Und sie sagen auch genau das Gleiche.

"Geschockt" sind sie, wie wenig in der SPD das Gewissen zählt. Es sei ein Fehler gewesen, erst so spät Nein zu sagen, sagt Bandleader Walter. "Total unwohl" habe sie sich gefühlt, erklärt Silke Tesch. Einmal habe sie auf ihrem Küchenboden gesessen und geweint, erzählt Carmen Everts. Die Abstimmung über die rot-grüne Minderheitsregierung von Gnaden der Linken sei eine "existentielle Frage" gewesen. "Es gab keine Hoffnung mehr", sagt Walter bedeutungsschwer.

Vom Opfer zum Rebell

Es werden alle Register gezogen. Das Gewissen, das freie Mandat, der Hass des Parteitag-Mobs - welcher Zuschauer bliebe da unbeeindruckt? Und doch wirken die vier nicht mehr wie Opfer. Es hat sich etwas verändert, in der einen Woche seit der Pressekonferenz in Wiesbaden, die das Beben ausgelöst hat und nach der sie erstmal in Hotels abgetaucht sind.

Sie sind nicht mehr die Störer, die Verräter, die Gequälten. Sie sind jetzt die SPD-Rebellen. Die Fantastischen Vier der deutschen Politik. Sie sprechen für die Mehrheit der Bevölkerung, die so Ypsilanti-müde ist wie sie.

In ihrer Partei mögen sie geächtet sein. Doch die Zuwendung der Öffentlichkeit scheint diesen Liebesentzug auszugleichen. Zumindest für den Moment. Auch Gabriele Pauli hat diese Erfahrung gemacht: Irgendwann gefiel sie sich in der Rolle der Abtrünnigen. Der Ausstoß aus der CSU wurde zur Befreiung, die neue Bedeutung als Stoiber-Bezwingerin war aufregend.

Am weitesten fortgeschritten ist diese Verwandlung bei Jürgen Walter. Er wirkt erleichtert, blüht richtiggehend auf. Er sei mit sich im Reinen, sagt er. Nach einigen Tagen Erholung teilt er auch schon wieder kräftig aus - gegen seine alte Nemesis, die hessische SPD-Landeschefin, die er leidenschaftlich hasst. Ypsilantis Entscheidung, den Landes- und Fraktionsvorsitz zu behalten, sei falsch, kritisiert Walter. Dass sie an ihren Ämtern klebe, sei ein Problem für den neuen Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. Das sehen viele Genossen ähnlich, aber aus Walters Mund werden sie es kaum hören wollen.

Walter vergisst nicht zu erwähnen, dass er selbst freiwillig alle seine Ämter geopfert habe. Weil er als Abgeordneter "dem Wohl des Volkes verpflichtet" sei, wie er sagt. Beckmann hat Zweifel und fragt, ob er sein Gewissen auch entdeckt hätte, wenn ihm das Wirtschaftsministerium übertragen worden wäre. Walter sagt schnell: "Ja".

Der smarte Anwalt scheint seinem Politikerleben nicht hinterher zu trauern. Auch Everts und Metzger wirken gefasst. Tesch hingegen sieht immer noch betroffen aus. Deshalb bohrt Beckmann da noch ein bisschen nach, bis sie auch die schweren Erkrankungen ihres Mannes und ihrer Mutter erwähnt. Tesch würde wohl auch gern noch in der Politik bleiben. "Ich werde sehen, was es gibt", sagt sie.

Beckmann hat Hoffnung parat. Der nächste Gast, Horst Seehofer, "war auch mal Rebell", tröstet er, "jetzt ist er CSU-Chef und Ministerpräsident". Passender wäre der Vergleich mit Pauli gewesen. Die ist jetzt in einer anderen Partei, bei den Freien Wählern. Die Noch-Sozialdemokratin Metzger muss daher unvermittelt grinsen, als Seehofer Verständnis für das Leid von Abweichlern zeigt und verspricht, in seiner Partei für mehr Diskussionskultur zu sorgen.

Mit Seehofer gewinnt das Gespräch, das vorher in Pathos zu ersticken drohte, gleich an Leichtigkeit. Noch mehr gute Laune verbreitet dann der letzte Talk-Gast, Sängerin Nana Mouskouri, die Beckmann mit den launigen Worten ankündigt: "Liebe SPD-Rebellen, es tut mir leid, aber jetzt wird es wieder griechisch". Ypsilanti ist, wie Mouskouri, ein griechischer Name.

Schon bald wird es jedoch wieder ernst in der ARD: Das Hessen-Drama ist noch nicht zu Ende. Der dritte Teil kommt kommenden Montag mit Ministerpräsident Roland Koch. "Es geht in Sachen Hessen nächste Woche weiter", verspricht Beckmann. Es klingt wie eine Drohung.