Begehrter Foto-Preis Im Reich der Flussmenschen
Zwei Jahre hat Alejandro Chaskielberg bei den Bewohnern der Flussinseln des argentinischen Paraná-Deltas verbracht, in das der 4000 Kilometer lange, aus Brasilien kommende Fluss mündet. Viele der Menschen, die er hier porträtiert hat, die meisten von ihnen Nachkommen der Guarani-Indianer, hatten nie vorher eine Kamera gesehen.
Der ehemalige Pressefotograf und Dokumentarfilmer musste Geduld beweisen. Er hat sich in ihr Leben eingegliedert, sie bei der Arbeit und im Alltag begleitet. "Ich wollte diese Gegend und ihre Leute auf eine andere Weise zeigen, auf eine Weise, die bisher fotografisch immer ignoriert worden ist", sagt Chaskielberg über seine geheimnisvollen Nachtporträts. "Ich habe den Vollmond für das Licht genutzt", erläutert er seine Arbeitsweise. "Die Porträtierten mussten bis zu zehn Minuten still stehen."
Die Mühe hat sich gelohnt, zumindest für Chaskielberg: Für seine Serie "High Tide" ist er am Mittwochabend im Rahmen der Sony World Photography Awards zum "Fotografen des Jahres" gekürt worden. "In diesem Jahr hatte die Jury keine großen Schwierigkeiten, sich auf diese kraftvolle Arbeit von Alejandro Chaskielberg als Gewinner zu einigen", erklärte der Juryvorsitzende Francis Hodgson bei der Preisverleihungs-Gala im Odeon Leicester Square in London. "Diese sorgfältig inszenierten Bilder erzählen grundlegende Wahrheiten - über Mühsal, über Gemeinschaft und über das ökonomische Überleben in der Marginalität - und das in einer glänzend anspielungsreichen Weise."
Auch Deutsche unter den Siegern
Die Verleihung der prestigeträchtigen Fotografie-Awards fand bisher in Cannes statt, in diesem Jahr ist erstmalig die britische Hauptstadt Ort der Preisvergabe - im Rahmen des World Photography Festivals. Die Awards wurden 2007 ins Leben gerufen. Im Wettbewerb der professionellen Fotografen gibt es insgesamt 15 Preiskategorien. Chaskielberg, Gesamtsieger und Träger des Preises "L'Iris d'Or", darf sich "Photographer of the Year" nennen und erhält ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Dollar. In der Jury sind unter anderem die Visuelle Leiterin des "New Yorker", Elisabeth Biondi, die Berliner Galeristin Caprice Horn und die in Bremen geborene Fotografin Julia Fullerton-Batten.
Neben den Profi-Awards gibt es auch den offenen Wettbewerb mit zehn Kategorien. Auch hier gibt es einen Gesamtsieger: "Amateurfotograf des Jahres" - ein mit 5000 Dollar dotierter Preis - ist in diesem Jahr der Chinese Chan Kwok Hung. Der 37-jährige Schmuckhersteller aus Hongkong hat die Jury mit seinem dramatischen Foto "Buffallo Race" überzeugt, das er in Indonesien gemacht hat. Er fotografierte ein Büffelrennen, das dem siegreichen Bauern eine gute Erntesaison verspricht.
In den Profi-Kategorien konnte zwei deutsche Fotografen jeweils einen ersten Platz belegen: Die Stuttgarter Fotografin Saja Seus gewann in der Kategorie "Lifestyle-Fotografie" mit ihrer Schamhaar-Toupet-Serie "The Parting". Den Fotografen Paul Gisbrecht aus Köln kürte die Jury zum "konzeptionellen Fotografen des Jahres" - für eine Bilderserie zum Thema Körper und Raum.
Einen Preis für sein Lebenswerk erhält der amerikanische Magnum-Fotograf Bruce Davidson, 2009 noch selbst Jurysprecher. Der 77-jährige Davidson wurde berühmt für Dokumentarfotografien von Jugendgangs in Brooklyn, der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und den Bewohnern eines Wohnblocks in Spanish Harlem. Seine Freundin und Kollegin Diane Arbus habe einmal zu ihm gesagt: "Deine Bilder sind besser als meine, wenn die Leute nicht in die Kamera gucken. Meine Bilder sind besser, wenn sie hineingucken", erzählte Davidson dem "Guardian".
Die prämierten Werke werden noch bis zum 22. Mai im Somerset House in London gezeigt.