Berlin: Falco lebt - und er trifft Amadeus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Berlin Falco lebt - und er trifft Amadeus

Popsänger Falco, der 1998 bei einem Autounfall starb, wurde mit "Der Kommissar" und "Rock Me Amadeus" weltberühmt. Jetzt tritt er wieder auf: Das Theater des Westens bringt das Musical "Falco Meets Amadeus" auf die Bühne.
Von Harriet Dreier
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Uraufführung des Musicals ist erst am 23. September, doch Regisseur Elmar Ottenthal erlaubte SPIEGEL ONLINE schon vorab einen Blick hinter die Kulissen. Noch sind die Beine der Tänzer nicht in Reih' und Glied, hier und da fällt ein Mikro aus. Ottenthal ist aber zuversichtlich: "Wir sind sehr gut in der Zeit. Wir müssen nur noch eine große Szene stellen, dann fehlt nur noch das Feintuning von Licht und Ton."

Selbst bei der Probe ohne Maske und Kostüm ist die Ähnlichkeit des Falco-Darstellers Axel Herrig mit der Pop-Ikone verblüffend. "Ich wache zwar nicht als Falco auf, aber die Ähnlichkeit ist da. Den Rest übernimmt dann die Maske", verrät der Sänger, der sieben Jahre Oper am Theater Aachen hinter sich hat ("Hochzeit des Figaro", "Barbier von Sevilla"). Nicht nur optisch, auch stimmlich trifft der singende Doppelgänger genau den Ton des Originals. Herrig: "Ich habe tagein, tagaus Falco gehört, seine Biografie gelesen und Videos geschaut. Den Sprachduktus habe ich trainiert. Ich werde aber auch etwas von mir einbringen - auf eine bloße Karaoke-Show habe ich keine Lust."

Real-Video: Probe von "Falco meets Amadeus"



Das Musical über den Wiener Sänger, der in der Dominikanischen Republik starb, stammt aus der Feder von Burkhard Driest, Ex-Bankräuber, Schauspieler und Drehbuchautor. Der 61-Jährige wacht im Zuschauerraum über die Proben. "Alles wird so umgesetzt wie besprochen und wie ich es geschrieben habe. Ich bin erfreut überrascht über die Perfektion auf der Bühne", sagt Driest. Ihn hat es gereizt, einen "narzisstischen Charakter" abzubilden. "Einen Hans Hölzel gibt es in meinem Stück nicht. Der gute Hans und der aufgeblähte Falco auf der Bühne: Dieser platte Dualismus hat mich von Anfang an empört", sagt Driest.

Die Handlung besteht aus Phasen eines extremen Leben: der Abschied auf dem Filmfestival in Cannes, finanzieller Ruin und die Empörung des Wiener Publikums. "Falco" versucht sich durch die Liebe zu "Konny" zu retten. Drogen und Depressionen lassen ihn noch tiefer fallen. Auf dem Boden liegend erscheint dem Musiker Mozart und bricht "Falcos" kreative Blockade: die Geburt des Hits "Amadeus". Doch der Niedergang der Pop-Ikone ist trotz des Erfolges nicht aufzuhalten - er kann ihm nur durch seinen eigenen gewaltsamen Tod entgehen. "Er ist verdammt!" dröhnt der Chor aus Don Giovanni. Erzengel "Jeanny" hebt ihn in den Himmel und "Falco meets Amadeus". In den großen Himmelschor stimmen dann von Gluck bis Hendrix alle musikalischen Größen ein.

"Am Anfang kommt beim Publikum sicher Irritation auf, durch die Ästhetik auf der Bühne - es wird gerappt und gereimt, und die Atmosphäre ist sehr künstlich", sagt Driest. "Man kann kein Musical schreiben, in dem die Wahrheit gesagt wird - etwa die letzte Weisheit über die Liebe erzählen - ein Musical bietet Unterhaltung!"

Mehr lesen über