Berlin: Neue Wehrmachtsaustellung eröffnet - DER SPIEGEL
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Berlin Neue Wehrmachtsaustellung eröffnet

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurde die neue "Wehrmachtsaustellung" in Berlin eröffnet. Die umstrittene Schau über die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist doppelt so groß wie ihr Vorgänger und bemüht sich um Differenzierung und umfassendere Information, hält aber an ihrer These fest.
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Berlin - Die neue Schau bekräftige die These, wonach die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg systematisch an Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung und der Ermordung der Juden in Ost- und Südosteuropa beteiligt war, sagte der Ausstellungs-Initiator und Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma zur Eröffnung.

Die von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) eröffnete Schau setze sich aber differenzierter mit der Vergangenheit auseinander als die umstrittene erste Schau, die im November 1999 wegen falscher Beschriftung einiger Bilder abgesetzt worden war. "Die Wehrmacht war aktiv und duldend als Institution an den Verbrechen beteiligt", erläuterte Reemtsma. Mit etwa 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist die neue Schau doppelt so groß wie ihre Vorgängerin.

Die 1995 gestartete erste Wanderausstellung hatten fast 900.000 Menschen in 33 Städten in Deutschland und Österreich besucht. Auf fast allen Stationen hatten ehemalige Wehrmachtssoldaten protestiert, die sich durch die Schau verunglimpft sahen. Auch konservative Politiker hatten die Ausstellung als "unakzeptabel" kritisiert. Rechtsradikale hatten mit teilweise gewaltsamen Demonstrationen und Anschlägen versucht, die Schau zu verhindern. An diesem Wochenende will die rechtsextremistische NPD in Berlin gegen die Ausstellung demonstrieren.

Auf sechs Stationen dokumentiert die neue Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" die Beteiligung deutscher Soldaten an der Ermordung von Zivilisten in Osteuropa sowie in Serbien und Griechenland. In der ersten Version war dies nur für drei Einsatzorte in Osteuropa dokumentiert worden.

Die Ausstellung schaffe einen neuen Zugang zu dem Thema, sagte die Leiterin des Ausstellungsteams, Ulrike Jureit. Unter anderem werden die Handlungsspielräume von Wehrmachtsangehörigen bei der Ausführung von Erschießungsbefehlen dargestellt. Am Beispiel einzelner Soldaten wird dokumentiert, wie Befehlsverweigerung ohne Strafe durchaus möglich war. "Wir zeigen, wie sich Menschen in gleichen Situationen unterschiedlich verhalten haben", sagte Reemtsma. "Der Krieg war kein Naturvorgang, sondern ein Ort, an dem Entscheidungen getroffen wurden".

Im Gegensatz zur ersten Ausstellung verzichtet die neue Schau auf großformatige Fotos von Hinrichtungen und ergänzt die eher kleinformatigen Bilder mit ausführlichen Texten sowie Hörbeispielen und Filmauszügen. Es gebe ein großes Bedürfnis nach Information. "Hier kann man sich umfassender informieren, als irgendwo sonst", sagte Reemtsma.

Neu ist die Dokumentation der Haager Landkriegsordnung und anderer völkerrechtlicher Bestimmungen zum Schutz von Zivilisten im Krieg. Mit dem Befehl, im Kampf gegen den "jüdischen Bolschewismus" auch Zivilisten nicht zu verschonen, hätten Hitler und das Oberkommando der Wehrmacht bewusst den Schutz von Unbeteiligten aufgehoben. Dazu habe auch die Ermordung der politischen Kommissare der Sowjetarmee gezählt. Auch der Holocaust sei ohne die Wehrmacht undenkbar.

Die Ausstellung wird bis zum 13. Januar 2002 von Dienstag bis Sonntag in der zum Museum umgebauten ehemaligen Margarinefabrik "Kunst-Werke" in Berlin-Mitte und danach in Bielefeld gezeigt.