Berlinale bei Nacht Auf zum Party-Boykott!
Nachdem Annauds Stalingrad-Film floppte, richteten sich die Hoffnungen auf Steven Soderberghs Drogendrama "Traffic" - und besonders auf die anschließende Premierenfeier. Am Donnerstagabend lud 20th Century Fox anlässlich der Deutschlandpremiere des Streifens allerdings nur einen kleinen Kreis zu einem "Get Together" mit Soderbergh ins Rive Gauche in der Friedrichstraße. Der 37-jährige Regisseur erklärte scheu: "Es ist mir egal, ob Hollywood mich liebt oder hasst." Das muss es ihm auch sein, denn seine beiden Hauptdarsteller Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones glänzten durch Abwesenheit. Ließ der Verleiher voriges Jahr noch zu "The Beach" im Dresdner Bahnhof einen Mega-Event steigen, bei dem sich Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio hinter einem VIP-Lattenrost verkroch, so fährt man dieses Jahr die Veranstaltungen auf Sparflamme.
Die gesammelte deutsche Schauspielgarde stand zwar auf der Gästeliste - tatsächlich kam aber nur Hannelore Elsner und teilte sich die Promi-Lounge mit "Quills"-Regisseur Philip Kaufman und seinen Darstellern Kate Winslet und Geoffrey Rush. Für die Presse galt: "Wir müssen draußen warten." Am Rande tummelten sich die üblichen Verdächtigen wie Jürgen Vogel, Peter Lohmeyer, Michael Gwistek, Hellmuth Karasek, Oliver Kalkofe, Dominic Raacke, Martin Semmelrogge und natürlich Ariane Sommer. Sat.1-Moderatorin Eve-Maren Büchner: "Es wird gespart, und entsprechend wenig Glamour findet auch statt. Bei der Eröffnung dieses Jahr kommt keine Stimmung auf." Auch Fred Kogels Ex-Freundin Alexandra Kamp beklagte: "Hollywood-Glamour gibt es nicht so richtig - aber wir arbeiten dran. Ich finde es allerdings unter aller Kanone, dass kein deutscher Film läuft."
Die deutsche Filmfabrik ist also verschnupft. Man steht zwar auf der Gästeliste, aber boykottiert das Filmfest weitestgehend. Bei der Verleihung des Deutschen Drehbuchpreises mit Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin waren Iris Berben und Bernd Eichinger angekündigt, in den Martin-Gropius-Bau pilgerten dann aber nur Anouschka Renzi, Armin Rohde, Comedy-Quatscher Thomas Hermanns, Dennenesch Zoudé, Thure Riefenstahl, Monika Griefahn und Burkhard Driest. Außerdem erschien Michael Naumann - anscheinend patrouillierte er, um zu sehen, was sein Nachfolger so treibt. Für Ausgeschlossene bestand also wirklich kein Grund, neidisch zu sein: Viel Volk, viel Ehr', viel Freibier - aber keine Stars.
Doch die Nacht ist lang, und ein paar Berlinale-Partys gab es - bei aller Sparpolitik der Verleihfirmen - doch noch. So wie die Einladung zur "inoffiziellen Berlinale-Eröffnung" im Tacheles an der Oranienburger Straße. Der "Bad Boy of the Year" sollte hier gefeiert werden. Misstrauen regte sich, denn von dem Münchener Veranstalter hatte noch niemand etwas gehört und unter dessen Berliner Nummer meldete sich "kein Anschluss". Doch weil angeblich DoRo, Firma des Stölzl-Sohns Philipp und Marktführer bei Musikvideos, die Finger mit im Spiel haben sollte, galt es, einen Blick in die Kulturruine zu werfen.
Netterweise gab es hier keine VIP-Absperrung, dafür aber auch keine VIPs. Hier nahmen Sissi Perlinger, Doreen Dietel, Ex-Engelke-Freund Nils Ruf und Ex-MTV-Moderator Max von Thun ein Bad in der Menge. Womit Letzterer sich dann schließlich den Titel des "Bad Boys" einhandelte, blieb schleierhaft. Für die Vorabendserie "Bei aller Liebe" vielleicht oder weil er gemeinsam mit Mutti und seinem Vater Friedrich von Thun im Tacheles rockte?
Weiter ging es zur Bavaria Film-Party anlässlich des Panorama-Beitrags "Zoom" im Club 103 in der Monbijoustraße in Mitte. Und obwohl der Film reichlich menschelt - es geht um die Liebe zwischen einer Prostituierten und einem jungen Mann - funkte es auf der Premierenfeier eher gar nicht. Nicht mal wie angekündigt Ben Becker und Franka Potente. Statt dessen fielen die üblichen Verdächtigen aus dem Rive Gauche und dem Tacheles wieder ein: Hannelore Elsner und Konsorten.
Die Füße werden allmählich schwer, die Augen klein. Bei so wenig Pomp schenkte man sich die Feier zu "Berlin is in Germany" der dffb am Sony Center am Potsdamer Platz am besten gleich: ORB und ZDF/Das kleine Fernsehspiel klingt eindeutig unglamourös. Besser klingt ein kurzer Abstecher in die Paris-Bar, doch da zeigte sich auch nur - zum dritten Mal - Hannelore Elsner. Na dann gute Nacht...